Energiewende : Das Ende des Atomzeitalters

Japan will auf Kernenergie verzichten, und Frankreich kann den Ersatz nicht bezahlen.

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Atomausstieg? Da fehlt vielen Japanern der Glaube. Am Freitag demonstrierten sie vor der Residenz des Premierministers in Tokio.
Atomausstieg? Da fehlt vielen Japanern der Glaube. Am Freitag demonstrierten sie vor der Residenz des Premierministers in Tokio.Foto: Reuters

Atomenergie lohnt sich nicht. Und deshalb hat sie keine große Zukunft mehr. Nach Deutschland, der Schweiz, Belgien und Taiwan hat nun Japan angekündigt, aus der Atomenergie auszusteigen. Sollte der Beschluss die nächste Wahl überleben, hätten sich schon zwei große, hoch industrialisierte Länder aufgemacht in eine alternative Energiezukunft. Neu im Klub der Atomstaaten ist lediglich der Iran, dessen Atomkraftwerk Buschehr im vergangenen Jahr ans Netz gegangen ist – Baubeginn war 1975.

Japan will künftig mehr erneuerbare Energien nutzen und seine Wirtschaft effizienter machen, damit der Energieverbrauch insgesamt sinkt. Gleichzeitig will die Regierung aber an der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente aus Atomkraftwerken festhalten. Diese Widersprüchlichkeit ist eine Momentaufnahme der aktuellen politischen Lage in Japan.

Die 2009 erstmals an die Macht gekommene Demokratische Partei hat gewaltig an Popularität verloren. Das Management der Krisen nach Erdbeben und Tsunami am 11. März 2011 hat die Regierungspartei viel Sympathie gekostet. Und dann hat China auch noch Kriegsschiffe in japanische Gewässer geschickt – eine Nachricht, die Japan am Freitag weit mehr beschäftigte, als die Ankündigung der Regierung, die gesamte Energieinfrastruktur in den 2030er Jahren, also wohl bis 2040, umzubauen.

Aber selbst wenn die 2009 abgewählte liberale Partei nach einem relativ wahrscheinlichen Sieg bei der kommenden Wahl den Beschluss wieder rückgängig machen sollte: Der Geist ist aus der Flasche. In diesem Sommer haben 100 000 Menschen in Tokio gegen die Atomenergie protestiert – für Japan eine große Zahl. Der atomfreundliche Premierminister Yoshihiko Noda hat in diesem Sommer, nachdem Japan zwei Monate lang atomfrei gewesen war, zwei Reaktoren in Oi den Betrieb wieder erlaubt. Seither ist kein weiteres der 54 japanischen Atomkraftwerke wieder ans Netz gegangen.

Das zeigt, dass der Protest Wirkung zeigt. Die Regierung kann die Stimmung in der Bevölkerung nicht völlig ignorieren. Und das wird sich auch die liberale Partei überlegen müssen, die bis 2009 die gesamte Nachkriegszeit durchregiert hatte. Die LDP ist engstens mit der Atomindustrie verbunden, doch das könnte sie bei der kommenden Wahl entscheidende Stimmen kosten.

Und wer weiß, vielleicht ist Frankreich ja der nächste Kandidat für einen schleichenden Atomausstieg. Der Pannen-Reaktor im elsässischen Fessenheim soll 2016 endlich stillgelegt werden. Sein Betreiber EDF hat zwischen 2007 und 2011 rund 82 Prozent seines Wertes verloren. EDF betreibt insgesamt 58 Atomkraftwerke, und die erreichen nach und nach das Ende ihrer technischen Lebenszeit. Dass EDF und der französische Atomkonzern Areva gemeinsam den kompletten nuklearen Ersatz finanzieren können, ist unwahrscheinlich. Areva hat im gleichen Zeitraum sogar 88 Prozent seines Werts verloren. Ratingagenturen raten von Investitionen in Atomkraft nämlich schon länger ab.

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