Energiewende : Deutschland darf nicht zur Lachnummer werden

Die Energiewende bringt grundlegende Veränderungen bei der Stromversorgung - und nicht nur da. Würde das Projekt scheitern, wäre das eine furchtbare Blamage.

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Das ist die Vergangenheit. Die Zukunft soll von Windrädern, Solaranlagen und womöglich in einiger Zeit auch mit Stromerzeugungsanlagen aus Erdwärme bewältigt werden. Wenn die Energiewende gelingt, werden die Kühltürme von Jänschwalde bis 2050 auch überflüssig geworden sein.
Das ist die Vergangenheit. Die Zukunft soll von Windrädern, Solaranlagen und womöglich in einiger Zeit auch mit ...Foto: dpa

Die Energiewende wird nicht scheitern. Erstens findet sie seit Jahren von unten statt. Zehntausende Menschen haben Fotovoltaikanlagen auf ihre Dächer montieren lassen oder ihr Geld in Windparks angelegt. Sie alle werden die Energiewende weiter antreiben – egal wer regiert.

Zum Zweiten wäre ein Scheitern des Projekts international eine so große Blamage, dass jede Regierung alles daransetzen wird, das zu vermeiden. Wenn die Energiewende scheitert, kann keine deutsche Regierung mehr beim Euro oder irgendeiner anderen Frage von Belang den Kurs vorgeben. Deutschland wäre eine Lachnummer.

Dabei ist die Ablösung des öl- und kohlebasierten Energiesystems durch erneuerbare Energien kein Kinderspiel. Und es führen mindestens hundert Wege irgendwie ans Ziel. Über diese Pfade, Weggabelungen, Sackgassen und Irrgärten diskutiert die deutsche Öffentlichkeit seit Wochen mit dem Tenor: Die Energiewende wird scheitern.

Alle, die ihr altes Geschäftsmodell verteidigen, greifen begierig jeden Zweifel oder Selbstzweifel auf und versuchen das ganze Projekt infrage zu stellen. Für jedes Detail gibt es Lobbyisten, die einen Teil des Bundestags, der Wirtschaft oder der Regierung auf ihre Seite ziehen können; und für jedes Detail gibt es eine Alternative.

In diesem Wirrwarr ist leicht zu übersehen, dass die großen Linien vor einem Jahr beschlossen worden sind. Der Kurs ist klar und eindeutig: Bis 2050 wird Deutschland ein Viertel weniger Strom verbrauchen als 2008, und dieser Strom wird zu mindestens 80 Prozent aus Wind- und Solarstrom kommen oder aus Wasserkraft, Erdwärme oder Biomasse erzeugt worden sein. Bis 2020 soll der Stromverbrauch um zehn Prozent sinken und der Anteil erneuerbaren Stroms auf 35 Prozent steigen.

Während das Ausbauziel vermutlich sogar übertroffen wird, sind die Einsparziele schwieriger zu erreichen. Es gibt wenige erprobte Konzepte dafür und zudem einen Wirtschaftsminister, der Energieeffizienz oder gar -einsparung für eine Wachstumsbremse hält.

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