England : Neue Mitte

Nach zwei Jahrzehnten des „moralischen Zerfalls“ will Premier Cameron den Briten Mores lehren. Ob vier Jahre Gefängnis für Facebook-Anarchisten der rechte Weg ist, wird inzwischen diskutiert. Die Gerichte sind unabhängig und verhängen nun zwar drakonische Strafen, werden sich aber auch mit einer Flut von Berufungsverfahren befassen müssen – bis Justitia die Sache in die Balance bringt. So wird es auch in der Politik gehen. Selten sah man den Premier so befeuert wie seit der Plünderungswelle. Die Agenda für die Rückkehr zu den alten konservativen Kernwerten hat er ja längst in der Schublade: eine härtere Polizei, aufmerksamere Eltern, ein Sozialsystem, das Leistung und Selbstverantwortung fordert, Richter, die Recht sprechen und nicht nur soziales Missgeschick „kontextualisieren“, Lehrer, die den Kindern das Lesen und Schreiben wieder beibringen (17 Prozent der Schulabgänger können das nicht). Aber ähnlich wie bei den harten Strafen werden auch nicht alle rhetorischen Rezepte Camerons umgesetzt. Seine Koalitionspartner und sein eigener politische Überlebenswille werden das sicherstellen. Cameron ist und bleibt ein Mann der Mitte. Aber er weiß eben auch, dass die politische Mitte Großbritanniens nach den Plünderungen nach rechts gerückt ist. mth

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