Entscheidung für Korea : Olympia fern der Wurzeln - tritt Berlin wieder an?

Gegen Pyeongchang konnte München nur verlieren. Die Bayern könnten es erneut versuchen, gegen eine weitere Bewerbung spricht, dass sie einer deutschen Kampagne für Sommerspiele im Weg stünde - einer Berliner Bewerbung.

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Es sollte nicht sein. München hat bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 das Nachsehen.Weitere Bilder anzeigen
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06.07.2011 17:51Es sollte nicht sein. München hat bei der Vergabe der Olympischen Winterspiele 2018 das Nachsehen.

Die Auswahl der Olympischen Spiele ist ein Wettbewerb zwischen mehreren Kandidaten, und am Ende verlieren immer die Deutschen. Wie Berlin um die Sommerspiele 2000, Leipzig um die Sommerspiele 2012 und jetzt München um die Winterspiele 2018. Man hat sich schon daran gewöhnt, dass bei Abstimmungen um sportliche Großereignisse prinzipiell nicht der Beste gewinnt. Sondern manchmal der Schlechteste wie bei der Fußball-WM, die 2022 in der Wüstenhitze von Katar stattfindet. Nicht, dass Pyeongchang ein schlechter Ausrichter wird. Aber das Internationale Olympische Komitee hätte einen besseren haben können.

Freundliche Spiele hatte München angekündigt. Vor allem wären es vernünftige Spiele geworden, weil drei Viertel aller Sportanlagen schon stehen und weit weniger Natur verbraucht wird als bald in Südkorea. Doch die Erfahrungen haben gezeigt, wie sehr Politik und Großkonzerne die Entscheidung beeinflussen, beispielsweise Russlands Premier Putin und seine Oligarchen bei den Winterspielen 2014 für Sotschi und der Fußball- WM 2018. Wie Bundespräsident Christian Wulff IOC-Mitglieder bearbeitet hat, kann man sich ungefähr vorstellen. Am Ende hat München nicht einmal der Charme Franz Beckenbauers geholfen.

München gegen Pyeongchang. Dieses Duell sah vielleicht nicht spektakulär aus, aber es war eines zwischen alter und neuer Welt des Sports. „Neue Horizonte“ will Pyeongchang öffnen, denn die Winterspiele haben bisher nur zwei Mal in Asien stattgefunden, beide Male in Japan. Neue Sportler, neue Sponsoren, neue Fernsehverträge – so sehen diese Horizonte aus. München dagegen setzte auf Bewährtes und knüpfte auch an die Vergangenheit an, die Sommerspiele 1972, denen selbst das Attentat nicht die ganze Heiterkeit rauben konnte.

In diesem Duell konnte München eigentlich nur verlieren, denn die Eroberung neuer Märkte ist derzeit das wichtigste Kriterium bei solchen Abstimmungen. Der Euro-Amerika-Zentrismus im Weltsport bröckelt weiter. Wer seinen Sport so großartig findet, muss ihn eben mit anderen teilen können. Die olympischen Gedanken mögen auch universell sein. Es stellt sich nur die Frage, ob es auch der olympische Sport ist. Ob es sich lohnt, an immer neuen Standorten die Kettensäge anzusetzen, um Ski- und Bobfahrern Schneisen zu schlagen. Wintersport ist noch mehr Natursport als Sommersport. Und werden diese Anlagen wirklich gut genutzt, wenn das olympische Feuer wieder erloschen ist?

Die Präsentation der Südkoreaner zeigte jedenfalls, was diese Horizonte noch sind: inhaltsleer. Denn wer die ganze Zeit die Begriffe „Hoffnung“, „Kinder“, „Zukunft“ hochhält, erweckt den Eindruck, nicht mehr zu bieten zu haben. Ihr olympisches Skigebiet haben die Südkoreaner „Alpensia“ genannt. Manchmal geht doch nichts über das Original.

Im nächsten Jahr finden die Sommerspiele in London statt, in der alten Sportwelt. Zum Glück für das IOC, denn in England liegen die Wurzeln des Sportsgeists. Aber anschließend besteht die Gefahr, dass der Sport noch künstlicher wird, wenn er sich nicht zwischendurch immer wieder in Europa sammelt. Auf das Fundament des Sports aufzupassen, wäre auch eine wichtige Aufgabe für Thomas Bach, wenn er tatsächlich 2013 zum IOC-Präsident gewählt werden sollte.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel – soll München sich nochmal bewerben? Dafür sprechen Münchens Aussichten bei der nächsten Abstimmung. Denn wer sich beim IOC vorstellt, muss erst einmal verlieren lernen. Pyeongchang war jetzt schon zum dritten Mal dabei. Im Grunde hätte München mit seinem guten Konzept auch eine zweite Chance verdient.

Gegen eine weitere Münchner Bewerbung spricht jedoch, dass sie einer deutschen Kampagne für Sommerspiele im Weg stünde. Die sind die wahren Olympische Spiele – die Winterspiele kommen erst weit dahinter. Nur Sommerspiele können mit ihren Sportarten ganz Deutschland bewegen und nicht nur vor dem Fernseher faszinieren.

Für Olympische Spiele in Berlin lohnt es sich jedenfalls, auf Münchner Winterspiele zu verzichten.

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