Entscheidung von Ilse Aigner : Nutzen von Gen-Mais ist nicht erkennbar

Die Gen-Mais-Entscheidung von Ministerin Aigner lässt sich im Wahlkampf trefflich ausschlachten. Doch die Ministerin lehnt den Genmais auch aus sachlichen Gründen ab. Denn negative Wirkungen von Mon 810 auf die Umwelt sind offensichtlich nicht auszuschließen.

Dagmar Dehmer

Einen besseren Zeitpunkt, um den umstrittenen Genmais Mon 810 des amerikanischen Agrarchemie-Konzerns Monsanto aus dem Verkehr zu ziehen, hätte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) nicht finden können. Denn selbst wenn Monsanto vor Gericht Recht bekommen sollte, wird das bestimmt nicht mehr in dieser Legislaturperiode sein. Schadenersatz muss, wenn überhaupt, erst die nächste Regierung bezahlen. Dafür kann die große Koalition und speziell die CSU das Thema für die anstehenden Wahlkämpfe ausschlachten. Nach dieser Lesart hat die CSU den Deutschen den ungeliebten Genmais vom Hals geschafft. Politisch ist die Entscheidung vom Dienstag also leicht nachzuvollziehen und hat noch dazu den Vorzug, gänzlich frei von Risiko zu sein.

Tatsächlich hat Ilse Aigner aber auch ein paar sachliche Gründe dafür, Mon 810 zu verbieten. Der bisher einzige in der EU überhaupt zugelassene genveränderte Mais produziert ein Insektengift, das angeblich nur den Maiszünsler töten soll, einen Schmetterling, dessen Larve sich durch den Stängel frisst. Doch seit Jahren mehren sich Hinweise, dass das Toxin auch andere Insekten schädigt. Den Ausschlag für das Verbot gaben zwei Studien, die nachweisen, dass Maispollen doch viel weiter fliegen, als von den Genmaisproduzenten bisher immer behauptet worden ist, und dass die Larven des Zweipunkt-Marienkäfers keine besonders hohe Dosis des von Mon 810 produzierten Toxins vertragen. Negative Wirkungen auf die Umwelt sind also offensichtlich nicht sicher auszuschließen.

Schon 2007 hatte Aigners Vorgänger Horst Seehofer (CSU) die Zulassung von Mon 810 ruhen lassen. Damals allerdings hätte die Regierung einen verlorenen Prozess gegen Monsanto durchaus noch selbst verantworten müssen. Deshalb ließ sich das Agrarministerium damals auf ein Monitoring-Programm des Konzerns ein, das Aufschluss über noch offene Fragen zu Umweltrisiken beantworten sollte. Diese Selbstüberwachung besteht aus mehreren Elementen. Das wichtigste ist ein Fragebogen für die Bauern, die den Mais anpflanzen. Es ist keine große Überraschung, dass diese keine negativen Folgen bemerkt haben. Schließlich haben sie sich mit ihrer Entscheidung, Mon 810 anzupflanzen schon einigen Ärger eingehandelt. Darüber hinaus sollte und wollte Monsanto die Jahresberichte verschiedener Natur- Überwachungsnetzwerke auswerten, die jedoch alle kein besonderes Augenmerk auf den Genmaisanbau legen. Die Datenbasis dieser Netzwerke reicht – auch das ist keine Überraschung – einfach nicht aus, um den Genmais zu überwachen.

Abgesehen davon ist aber auch der ökonomische Nutzen des Mon 810 für die Bauern nur schwer erkennbar. In Mecklenburg-Vorpommern, wo 2008 eine der größten Flächen damit bebaut worden ist, ist der Maiszünsler, gegen den sich die Pflanze schützen soll, noch gar nicht angekommen. Und selbst in Brandenburg, dem größten Anbaugebiet, kommt er bisher nicht jedes Jahr vor.

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