Meinung : Entzaubert

„Ohne Firn und Tadel“ vom 11. Januar

Wir waren ganz bestimmt in einem anderen Konzert. Die „Italienische“ von Mendelssohn ist eines seiner schönsten Werke, voller Harmonie, Eleganz, Leichtigkeit und auch Lebhaftigkeit. Leider kamen Harmonie und Eleganz unter dem Dirigat von Ricardo Chailly zu kurz. Das Einzige, was er (zu) heftig praktizierte, war die Lebhaftigkeit, weil diese häufig zu brachial einsetzte. Insofern waren auch die Einsätze nicht stimmig und der Übergang von der Kadenz zum Hauptthema eindeutig kein Ohrenschmaus. Schade, die melodische Qualität ging dabei völlig unter. Dann Bruckners Symphonie Nr. 6. Bruckner liegt Chailly offensichtlich mehr als ein filigraner Mendelssohn. Und zum Schluss: Chaillys Turnstunde am Pult braucht man nicht. Wie angenehm ist da doch die zurückhaltende Gestik eines Claudio Abbado.

Gertrud Schmack und Vera Schieckel, Potsdam

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