Meinung : Er kann alles, und auch abtreten Von Stephan-Andreas Casdorff

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Auf den Tag haben die Christdemokraten gewartet. Im zweitwichtigsten Amt in BadenWürttemberg, das des Stuttgarter Oberbürgermeisters, ist Wolfgang Schuster von der CDU bestätigt worden, jetzt geht es ums wichtigste: das des Ministerpräsidenten. Denn schon vorher war klar, dass Erwin Teufel, der seit knapp anderthalb Jahrzehnten regiert, dann endlich erklären soll, wie es weitergeht. Am besten, wann er zurücktritt. Als sein letzter großer Dienst.

Baden-Württemberg ist im Vergleich das erfolgreichste Bundesland, noch vor Bayern, das sich selber immer rühmt. Nur das können sie im „Ländle“ nicht so gut: sich hervortun. 60 Prozent der Bevölkerung finden die Arbeit Teufels gut, aber 73 Prozent meinen trotzdem, dass er seinen Abschied nehmen soll. 65 Jahre alt ist er, die Nachfolgefrage zu stellen also nicht unbillig. Die Junge Union, in diesem Land traditionell aufmüpfiger als anderswo, hat Teufel denn auch ohne Umschweife vor allen anderen zu einer Antwort aufgefordert. Dazu kommen Stimmen aus der Landesgruppe der Bundestagsabgeordneten, in der auch sehr einflussreiche Landespolitiker sitzen. Ein Stimmungsbild gibt es schon. Alles in allem wird erwartet, dass Teufel die Zeichen der Zeit richtig deutet. Damit er in Ehren geht.

Angela Merkel, die CDU-Bundesvorsitzende, hat ihn schon warnend auf das Beispiel Kurt Biedenkopfs in Sachsen hingewiesen und den Übergang von Bernhard Vogel auf Dieter Althaus in Thüringen sehr gelobt. Nächstes Wochenende nun tagt der Landesvorstand, heute kommt wieder die Landesgruppe zusammen. Und noch am Abend, nach der Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters, sollte Erwin Teufel mit Günther Oettinger telefonieren, der seit 13 Jahren die CDU-Fraktion im Landtag führt. Der 51-Jährige hofft auf die Nachfolge – und kann sich Hoffnungen machen. Parteiintern liegt er vor Ministerin Annette Schavan, die nicht aus Baden-Württemberg stammt. Dass es zu Streit kommt, kann Teufel noch verhindern. Damit würde er allen etwas Gutes tun, sich auch. Personalfragen müssen in der Union ja nicht immer im Verdruss enden.

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