Erdbeben in Italien : Das Elend nach der Katastrophe

Eine Katastrophe wie die, die in der Nacht zu Montag die Abruzzen heimgesucht hat, zeigt aufs Neue: Auch Europa bleibt durch die Natur gefährdet.

Andrea Dernbach

Eine Katastrophe wie die, die in der Nacht zu Montag die Abruzzen heimgesucht hat, zeigt aufs Neue, dass auch Europa durch die Natur gefährdet ist und bleibt. Auch auf dem Alten Kontinent bebt die Erde, brechen Vulkane aus, und die Menschen des 21. Jahrhunderts können das ebenso wenig verhindern wie die vor Tausenden von Jahren. Die Italiener haben mit solchen Naturkatastrophen ihre besonders schmerzhaften und intensiven Erfahrungen, denn sie leben in einer Risikozone der Erde.

Die Italiener haben allerdings auch ihre besonderen Erfahrungen mit dem, was auf solche Katastrophen folgt, dann nämlich, wenn nicht mehr die Natur das Geschehen bestimmt, sondern wenn die Talente von Menschen gefragt sind, um die Folgen zu begrenzen: Organisation, rasche Hilfe und Solidarität. Und da waren ihre Regierungen – meist, aber nicht ausschließlich christdemokratische – oft wenig erfolgreich, um das Mindeste zu sagen. Ein Beispiel unter vielen: Der Krater, den das Erdbeben in Kampanien im November 1980 im Zentrum von Neapel riss, ist bis heute zu besichtigen. Die Menschen, deren Häuser damals verschluckt wurden und die die Katastrophe überlebt hatten – etwa 3000 starben –, wurden in die bäuerliche Peripherie umgesiedelt, wo der Bauboom die Camorra bereicherte und eine urbane Wüste und soziale Mondlandschaft entstand, die ihren Bewohnern kaum Perspektiven lässt. „Gomorrha“, der Film nach dem Bestseller des neapolitanischen Autors Roberto Saviano, hat diesen Skandal in Bilder gefasst, so dass ihn inzwischen auch jene sehen können, die im Urlaub, zu Recht, nicht auf die Idee kämen, sich in Secondigliano und Scampia umzusehen, ein paar Kilometer von Neapels Altstadt entfernt.

Man kann nur hoffen, dass die Regierung Berlusconi den Menschen in den Abruzzen jetzt anders und besser hilft. Die Voraussetzungen dafür sind nicht gut. Katastrophenschutz und -hilfe sind klassischer- und notwendigerweise Aufgaben des Staates. Jenes Staates, den Berlusconi seit vielen Jahren in Worten und Taten als überflüssig und schädlich denunziert. Jetzt wird der Staat gebraucht. Sollte er nicht funktionieren, wäre dies eine zweite Katastrophe für die Menschen in den Abruzzen. Für den Premier könnte es werden, was das Missmanagement des Hurrikans Katrina für George W. Bush in den USA war.

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