Meinung : Erfolge krönen

Von Stephan-Andreas Casdorff

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Das waren noch Zeiten, als Kurt Biedenkopf sich eine goldene Krone aufs Haupt setzte, genauer: auf seinen Amtssitz. Da gab es noch so etwas wie Glamour auf sächsisch. Heute regiert Georg Milbradt, wird es weiter tun, wenn auch nicht mehr allein, und sein Stil als Ministerpräsident wird bleiben, wie er ist, praktisch und kernig. Sachsens Glanz, unter König Kurt neu erstrahlt, ist matter geworden; auch der Glanz der CDU ist es. Trauern muss dennoch keiner, denn dass es so ist, hat etwas mit Demokratie zu tun. Missfallen wird in Stimmen gemessen, Einstimmigkeit hat dieses Land sehr lange erlebt. Nun muss es aufpassen, dass es nicht in die Diktatur der schlechten Laune rutscht.

Man möchte ja sagen, dass die Volksparteien in Sachsen alle etwas abbekommen haben von der gegenwärtigen Diskussion über Herz und Hartz. Nur kann bei der SPD in diesem Bundesland, ihrem Ursprungsland, keiner behaupten, sie sei noch das Volk. Zu klein ist sie geworden, ein wackerer Thomas Jurk hat nicht auffangen können, was auch Constanze Krehl, die vormalige Landesparteichefin, angerichtet hat. Sie war in jedem Fall herzlos, wie der im Land genau verzeichnete Fall der entlassenen Mitarbeiterin in der Landeszentrale zeigt, einer Behinderten. Da wird jeder Wahlkampf schwierig, zumal für den, der sich an die Seite der Bundesregierung stellt und Hartz IV verteidigt. Hätte die PDS nicht ihren Porsch – sie hätte noch mehr von allem profitieren und an Stimmen einfahren können. Aber gut, dass es so ist. So demokratisch ist ihr Sozialismus nicht. Von der NPD zu schweigen.

Vielleicht wird auf mittlere Sicht doch noch etwas aus den so genannten Kleinen, aus FDP und Grünen. Die wissen, was sie wollen, immerhin. Und mit wem sie es wollen. Antje Hermenau versteht etwas von Haushaltsfragen, Holger Zastrow von Werbung. Zastrow hat das Zeug zum Möllemann, aber ohne dessen Wahn. Er übertreibt, aber er kann wahlkämpfen. Hermenau könnte man die Finanzen anvertrauen. Für beide ist jeder Punkt ein Gewinn.

Außerdem braucht einer wie Milbradt gute Leute, außerhalb seiner Partei und in seiner neuen Koalitionsregierung. So wie er Korrektiv für Biedenkopf war, so braucht auch er eines. Milbradt muss wissen, dass ihn nur Erfolge krönen. Nachfolger des Königs zu werden, war schon schwer, Manager des Landes zu sein noch viel mehr. Aber er hat seine Chance.

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