Erfolgreicher kalter Krieger : Ronald Reagan: Der Wildeste im Westen

100 Jahre Reagan: Berlin muss eine Straße nach dem erfolgreichsten Kalten Krieger benennen. Kein Kanzler war so konsequent wie er.

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Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein. Ronald Reagan 1987 in Berlin
Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein. Ronald Reagan 1987 in BerlinFoto: dpa

Man muss ihn nicht sympathisch finden – doch Ronald Reagan hat gerade in Berlin Anerkennung und Ehre verdient. Eine Ronald-Reagan-Straße ist das Mindeste. Kein Politiker hat einen so großen Anteil am Fall der Mauer. Kein Präsident, kein Kanzler hat so eindeutig, direkt und unmissverständlich auf die Erosion der Sowjetmacht hingewirkt. Keiner war ein so erfolgreicher kalter Krieger.

Noch ein paar Sätze dieser Art, und alle selbst ernannten Friedensbewegten sind in wilder Wut. Sollen sie. Wie kein anderer hat Reagan sie in seinen besten Zeiten vorgeführt: in ihrem verträumten Glauben an die Friedenspolitiker im Kreml, in ihrer Bereitschaft, totalitären Herrschern beste Absichten zu unterstellen und Kommunisten blind zu vertrauen.

Manche Reagan-Hasser von damals glauben zu wissen, dass der Amerikaner die Welt an den Rand eines Atomkriegs geführt habe, nicht seine sowjetischen Antipoden. Der heute hochverehrte Helmut Schmidt ist als Initiator des Nato-Doppelbeschlusses ein Kronzeuge dafür, wie es wirklich war: Reagan hat Druck gemacht, weil nur mit Druck etwas zu erreichen war. Böse, böse: Dafür musste er aufrüsten lassen, und in der Überzeugung der Friedensbewegten von damals und heute ist amerikanische Rüstung per se böse. Der große Vereinfacher aus dem freien Westen hat auf solche Antipathien nichts gegeben, zum Glück. Er hat die Welt sortiert, indem er das Kriterium Freiheit anwandte. Er hat Sätze gesagt, die Geschichte gemacht haben – Berliner Geschichte und Weltgeschichte.

Schon Reagans erkennbar lebensfrohes Eintreten für die Freiheit wäre Grund genug, ihn mit der Benennung einer Straße zu ehren – ganz besonders in einer Stadt, deren Bewohner im Westen und im Osten so viel auf und für die Freiheit gegeben haben.

In Berlin läuft die politische Erziehung über Straßennamen aber anders. Konsens gab es kurz nach dem Untergang der DDR allenfalls darüber, dass die D-Prominenz der Nomenklatura nicht weiter auf Straßenschildern zu finden sein sollte. Als das, bye-bye Lenin, erledigt war, wussten manche nicht wohin mit ihren volkserzieherischen Energien. So dürfen in Mitte bis ans Ende aller Tage Straßen nur noch Frauennamen bekommen – eher wird es in Mitte eine Barbie-Straße gebe als einen Ronald-Reagan-Platz in einem Teil der Stadt, der mal hinter der Mauer lag. Die Rudi-Dutschke-Straße sagt über Kreuzberg, was über Kreuzberg zu sagen ist.

Zu viel Geschichtsdeutung, alles in allem? Die Ronald-Reagan-Gegner sollten den Vorschlag ironisch nehmen. In der Filmstadt Berlin war und ist Platz für geringere Talente als den Darsteller Reagan, der im Kino zweite Klasse war, anders als in der Politik. Käme eine Ronald-Reagan-Straße, könnten sich seine posthumen Verfolger und Verächter mit der Erinnerung an Reagan in „Tod eines Killers“ erinnern. Da ließ ihn Lee Marvin so schwächlich aussehen, wie ihn später manche als Politiker gern gehabt hätten.

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