Eric Cantona : "Revolution ohne Waffen"

Er hat Tore geschossen, die die Fans im Stadion in Freudentaumel versetzten. Jetzt will Eric Cantona, der in Marseille geborene Fußballer, der es bei Manchester United zu Ruhm und Geld gebracht hat, seine Anhänger für ein anderes Ziel begeistern – die Revolution.

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Eric Cantona.
Eric Cantona.Foto: AFP

Ein Umsturz, wie ihn die Franzosen 1789 mit dem Sturm auf die Bastille auslösten, schwebt dem Ex-Stürmer freilich nicht vor. „Nicht der Mühe wert“, sagt der 44-jährige „King Eric“, wie ihn seine Anhänger einst ehrfürchtig nannten, in einer über Facebook verbreiteten Videobotschaft. „Die Revolution heute läuft über die Banken“, verkündet er. Und friedlich soll sie sein.

Cantona sagt auch, wie das gehen soll, nämlich „ganz einfach“. Da das System auf der Macht der Banken aufgebaut sei, müsse man es durch die Banken zerstören. Dazu genüge es, dass zwanzig Millionen Menschen auf einen Schlag ihre Konten räumten. Dann werde das System zusammenbrechen. „Statt kilometerweit demonstrierend durch die Straßen zu laufen, geh also zur Bank in deinem Dorf und hebe dein Geld ab“, lautet das Rezept für seine Revolution. „Drei oder zehn Millionen Menschen, das ist eine wirkliche Bedrohung. Das System wird zusammenbrechen: ohne Waffen, ohne Blut, nichts von alledem.“ Als Tag X gibt er den 7. Dezember an.

Aufgenommen hatte Cantona den Aufruf bereits Anfang Oktober. Doch die Botschaft fand erst jetzt Beachtung. Bei einer Pressekonferenz der Fondation Abbé Pierre, die sich seit über 50 Jahren den Kampf gegen die Wohnungsnot in Frankreich zur Aufgabe gemacht hat, trat der nach seiner Fußballkarriere zum erfolgreichen Schauspieler mutierte Ex-Kicker als Fürsprecher der Obdachlosen auf. In einem Video stellt er in der Rolle eines Wohnungsmaklers einen zur Miete angebotenen Slum vor, und zeigt dann der Wohnungsnot die Rote Karte. Die Stylistin Agnès B., der Schauspieler Pierre Arditi, der Fußballtrainer Laurent Blanc und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens haben ähnliche Videos aufgenommen, mit denen die Stiftung auf die Lage der 3,5 Millionen Franzosen ohne menschenwürdige Behausung aufmerksam machen will.

Cantona spielt den Ball weiter. Über 13 000 Unterstützer in Frankreich bekennen sich bereits zu seinem Aufruf. Ob sie so auch viel Geld auf dem Konto haben wie der selbst ernannte Revolutionär, weiß man nicht.

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