Meinung : Erinnern tut weh

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Es ist interessant, wie schwer sich die Berliner CDU mit dem Gedenken zum 8. Mai 1945 tut. Der Tag der Kapitulation hat für die Partei nun schon dreierlei Bedeutung. Erstens eine geschichtspolitische: Die CDU von SteglitzZehlendorf hat dem Berliner Landesverband einen Streit über den Inhalt des Gedenkens aufgezwungen. Es sollte nicht allein um Niederlage, Befreiung und die Opfer auf allen Seiten gehen, sondern um eine neue, das Leid der Deutschen betonende Sicht auf diesen Tag. Das Ergebnis der Diskussion ist offen. Im Streit um den 8. Mai hatte sich ein Bezirksverordneter missverständlich über seine Nähe zu Positionen der NPD ausgelassen. Seine wohl provokante Absicht hat – zweite Ebene des Streits um den 8. Mai – den CDU-Landeschef Joachim Zeller in Stellung gebracht. Zeller pochte auf Autorität und versuchte, den nach Skandal aussehenden Streit rabiat zu beenden. Der Bezirksverordnete sollte umgehend aus Partei und Fraktion ausgeschlossen werden. Zeller tat, was nach den Gesetzen der Mediendemokratie das Beste ist: Er sah die Gefahr der Skandalisierung – Hohmann! – und versuchte die Amputation des Problems. Das ist ihm misslungen. Und zwar nicht deshalb, weil die Südwest-CDU dem Reiz eines unscharfen, deutschnationalen Geschichtsbildes erlegen wäre – das ist sie allenfalls teilweise. Nein, ihre Vormänner wollten Zeller zeigen, dass sie ihn ärgern und hängen lassen können. Das ist die dritte Ebene. Mit Geschichtspolitik hat sie wenig zu tun, aber viel mit parteischädigendem Verhalten. wvb.

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