Meinung : Erinnerung auf Tonband

TERRORDROHUNG GEGEN FRANKREICH

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Vor dem Irakkrieg war der 11. September. Und der löste seinerzeit, anders als der Irakkrieg, ein Gefühl der Verbundenheit mit den USA aus. Oder das, was Kanzler Gerhard Schröder in einer politisch vermeintlich weit entfernten Phase als „uneingeschränkte Solidarität“ bezeichnete. Mancher mag sich heute nur mit Mühe daran erinnern, aber einer hat dem kollektiven Gedächtnis gerade wieder auf die Sprünge geholfen – ausgerechnet jemand aus dem TerrorLager. Wenn sich eine vermeintliche Tonbandaufnahme des ägyptischen Top-Terroristen Aiman al Sawahiri als authentisch herausstellen sollte, dann wäre wieder einmal eines deutlich geworden: Die Terrororganisation Al Qaida zielt auf den gesamten Westen und seine pluralistischen Werte. Sawahiri gilt als rechte Hand Osama bin Ladens, und möglicherweise hat er nun eine ernst zu nehmende Terrordrohung gegen Ziele in Frankreich ausgesprochen. Man reibt sich angesichts des jüngsten Lebenszeichens von Al Qaida die Augen: Soll Frankreichs Präsident Jacques Chirac ein „hasserfüllter Kreuzritter“ sein, weil er den Musliminnen das Tragen des Kopftuches in staatlichen Schulen verbieten will? Es ist vielmehr so, dass in Frankreich und anderswo in westlichen Demokratien Moslems untereinander und mit den Regierungen darüber streiten, wie scharf die Trennung zwischen Staat und Religion sein soll. Der Kopftuch-Streit gehört also zur Demokratie. Und damit auch zu den Gemeinsamkeiten – über den Atlantik hinweg. ame

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