Meinung : Erleuchtung im Flugzeugsessel

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Von Pascale Hugues

Ich kehre aus den Ferien zurück, von einer sonnigen Insel, auf der mein einziger Kontakt zur Welt aus einem Fernseher bestand, der von morgens bis abends in einer unverständlichen Sprache vor sich hin plärrte. Im Flugzeug nach Berlin treffen mich weitere alarmierende Neuigkeiten: die neue Regierung ist eine Bande von Grufties.

Zu alt, zu verbraucht, zu autokratisch. Nach Portugal (die absolute Demütigung!) droht Deutschland ein Verfahren wegen überhöhten Staatsdefizits. Schröder hat uns „verarscht“. Zahnersatz und Dienstwagen werden teurer. Blumensträuße, Sammlerstücke, Tierfutter, Dünger, Brennholz, Samen und Stroh auch. Verlagskrise. Pressekrise. Börsenkrise. Schulenkrise. Möllemann im Krankenhaus. Becker vor Gericht. Und neue Enthüllungen aus dem Sexleben des schweizer Lovers Borer. Ikea ruft Millionen Stofftiere zurück. Eine Grippewelle schickt sich an, die Deutschen zu dezimieren. Selbst der Wetterbericht verspricht keinen goldenen Herbst, der Himmel ist grau und nass. Ich vergrabe mich deprimiert im Flugzeugsessel. Doch ein kleiner Artikel erleuchtet die Kabine mit einem Hoffnungsstrahl. Das traurige Deutschland bereitet sich auf eine Häutung vor. In zehn Jahren will man zu Frankreich aufschließen. Uff, gerettet.

Die Regierung will Schluss machen mit dem „Entwicklungsland“ Deutschland und Frankreich bei der Kinderbetreuung nacheifern. Die RotGrünen schildern Frankreich als ein Eldorado von Krippen und Ganztagsschulen. Befriedigt lehne ich mich zurück. Ich stamme aus einem Musterland. Wenn Deutschland in zehn Jahren der Doppelgänger von Frankreich geworden ist, werde ich endlich nicht mehr in der Hölle leben.

Die Autorin schreibt für Le Point. Foto: privat

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