Meinung : Ermittlungen gegen Fischer: Am Ende ein verlegenes Hüsteln

Stefan Reinecke

Bitte, keine Legendenbildung. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen Joschka Fischer eingestellt - aber nicht, weil ein Verfahren gegen den Außenminister politisch nicht opportun gewesen wäre. Nein, der ganzen Frage ob, wie lange und wo genau die frühere RAF-Terroristin Margrit Schiller 1973 in Frankfurt zu Besuch war, mit wem sie gefrühstückt hat, war von Beginn an lächerlich. Fischer hatte sich im Opec-Prozess dazu etwas vage geäußert - ob man das, nach 28 Jahren, für mehr als verständlich oder für schlechte Vorbereitung hält, ist ziemlich unwichtig. Die Frankfurter Staatsanwaltschaft rechtfertigt die Aufnahme der Ermittlungen nun damit, dass sie dabei allerlei Neues erfahren habe. Die Ermittlungen waren also notwendig - um sie einzustellen. Mit solchen juristischen Spitzfindigkeiten rollen Geschlagene die Fahne ein.

Die "Affäre Fischer" scheint nicht mit einem Knall, einer Enthüllung, einem Skandal, sondern mit einem verlegenen Hüsteln zu Ende gegangen zu sein. Was ist also dabei herausgekommen? Joschka Fischers glänzendes Aufsteigerimage hatte sich zwischenzeitlich ein bisschen eingetrübt - aber im Grunde hat er gewonnen. Sein Image, Repräsentant einer ganzen Generation zu sein, ist sogar gefestigter als zuvor. Das lag vor allem an der plumpen Verdachtsrhetorik vieler Konservativer. Denn diese Anwürfe waren nicht frei von uneingestandenem Neid auf Fischers schillernde, gezackte Biografie, zudem grundiert mit einem fundamentalen Angriff auf "68". Aber wer will schon zurück in die 50er Jahre? Heiner Geißler jedenfalls nicht.

Die Formel, dass die "68er" eine Vergangenheitsbewältigung brauchen, legte nahe, dass auch diese Generation was ganz Schlimmes auf dem Kerbholz hat. Diese rhetorische Verortung der "68er" nahe bei den Nazis, als Teil eines deutschen Schuldzusammenhangs, war nichts als dumm und infam. Insofern kann man froh sein, dass diese Spuk-Debatte ohne Spätschäden verlaufen ist. Wenn man einen Blick auf die ungebrochene Popularität des Außenministers wirft, war diese Diskussion ohnehin auf die debattierende Klasse beschränkt - das normale Publikum nahm die Sache mit einem Achselzucken hin.

Einen Effekt hatte die Kampagne der Rechten allerdings: Sie hat die Bindung mancher Grüner und Ex-Alternativer an Fischer, die ansonsten wenig für sein autoritäres Zampano-Gehabe übrig haben, restauriert. Einfach, weil sie die Verdächtigungen gegen ihn (zu Recht) als Frontalangriff auf sich selbst verstanden haben. Das ist die ironische Pointe der Geschichte: Fischer ist im eigenen Lager eher stärker als zuvor, seine Hybris, nämlich Stellvertreter einer ganzen Generation zu sein, wohl auch.

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