Meinung : Erneuerbarer Schock

Von Dagmar Dehmer

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Einen besseren Zeitpunkt hätte es für die Bonner Weltkonferenz für erneuerbare Energien nicht geben können. Die Ölpreise steigen seit Wochen. Selbst wenn die Opec nun ihre Fördermengen erhöht, sitzt der Schock von Preisen bis zu 50 Dollar für ein Fass Rohöl doch tief. Nicht nur die afrikanischen Staaten stöhnen, weil sie in diesem Jahr rund 60 Milliarden Dollar mehr für Öl ausgeben müssen – das entspricht in etwa der gesamten Entwicklungshilfe eines Jahres. Auch in den Industriestaaten hat der hohe Ölpreis düstere Wirtschaftsprognosen ausgelöst. Dabei ist das Problem seit langem bekannt. Schließlich hat die Opec den Industriestaaten in den 70er Jahren schon einmal den Ölhahn zugedreht. Und dass die Ressource endlich ist, weiß auch jedes Kind.

Wie verwundbar die Weltwirtschaft ist, haben die Anschläge in SaudiArabien und der Konflikt im Irak gezeigt. Darauf hat Bundeskanzler Gerhard Schröder in Bonn hingewiesen. Es sei ein „Gebot der Sicherheit“, die erneuerbaren Energien dezentral nutzbar zu machen, sagte der Kanzler. Da hat er zweifellos Recht. Nur ob er sich daran auch erinnern wird, wenn in Deutschland wieder energiepolitische Entscheidungen anstehen? Zwar hat der Kanzler seinen Wirtschaftsminister beim Versuch gebremst, das Gesetz zu den erneuerbaren Energien unwirksam zu machen. Doch als es um den Emissionshandel ging, stand Schröder keineswegs auf der Seite der „dezentralen erneuerbaren Energien“. Wenn es konkret wird mit der „Umorientierung der globalen Energiepolitik“, die der Kanzler in Bonn gefordert hat, spielen immer auch andere Argumente eine Rolle.

Trotz dieser Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit spielt Deutschland beim Ausbau der erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle. Nicht nur, weil das deutsche Fördergesetz einen wahren Boom bei der Windkraft und der Sonnenenergie ausgelöst hat. Sondern auch, weil Deutschland viel Geld für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Entwicklungsländern locker macht. Dass der Kanzler die schon vor zwei Jahren zugesagte Milliarde Euro noch einmal um 500 Millionen Euro erhöht hat, spricht für ihn.

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