Meinung : Ernst reden, leicht nehmen

Völkermord im Darfur: Alle sind empört, Truppen entsenden will keiner

Ingrid Müller

Am heutigen Freitag wird der Bundestag mal wieder die Welt retten. Zumindest die Kriegsregion Darfur. Wir werden hören, wie schrecklich es ist, dass im Westen des Sudan, im größten Land Afrikas, ein Völkermord geschieht. Dass das Regime in Khartum gestoppt werden muss, das seine eigene Bevölkerung umbringen lässt. Dass der Druck erhöht werden muss.

Und dann? Nun, dann passiert erst mal fast nichts. Denn: Das Parlament beschließt darüber, dass weiterhin bis zu 75 unbewaffnete Militärbeobachter im Süden des Landes Dienst tun. Dort helfen sie, den Frieden nach dem fast 25 Jahre dauernden Bürgerkrieg zwischen Süden und Norden zu sichern. Das ist eine andere Baustelle, auch wenn es Verbindungen mit Darfur gibt. Aktuell sind allerdings im Süden nur 38 Deutsche, weil sich offenkundig nicht so viele Soldaten für diesen Dienst finden. Weil er nicht so karrierefördernd ist wie der in Afghanistan oder im Kosovo? Weil deutsche Soldaten lieber daheim Dienst tun als im Ausland? Von den 75 Soldaten darf nur ausnahmsweise mal einer nach Darfur – nach Sondergenehmigung aus Deutschland. Das ist richtig so, denn etwas anderes umfasst das Mandat nicht. Und eine Änderung des Mandats steht nicht zur Debatte.

Worauf können die Menschen im Darfur rechnen? Die Vereinten Nationen fordern eine 20 000 Mann starke Truppe, nicht nur von der Afrikanischen Union wie bisher, sondern eine gemeinsame mit den UN. Doch irgendwie wird man das Gefühl nicht los, dass alle insgeheim ganz froh sind, dass sich der Machthaber in Khartum, Omar al Baschir, hartleibig zeigt und UN-Truppen ablehnt.

Nicht dass jemand meint, die Deutschen, die in New York mit über Darfur verhandelt haben und deren Entwicklungsminsterin den Völkermord geißelt, wollten zu den Truppen beitragen. Davon ist nicht die Rede. Hat das Kabinett eigentlich schon einmal darüber debattiert, wie den Menschen im Darfur geholfen werden kann? Es macht den Eindruck, dass die Regierung vor allem eins ist – ratlos.

Zur Erinnerung: Nach Ruanda hatte alle Welt 1994 erklärt, man werde nie wieder einem Völkermord zusehen. Der dauerte damals 100 Tage – aber die Vorbereitungen waren lange zu sehen. Der US-Kongress hat vor fast drei Jahren erklärt, im Darfur geschehe ein Völkermord. Berichte aus der Region legen nahe, dass es nicht wirklich besser geworden ist.

Nun scheint es einen Hoffnungsschimmer zu geben, auch wenn Baschirs Ankündigungen allzu oft Finten waren. Er hat erklärt, zwei Monate lang die Waffen schweigen zu lassen, auf dass mit den Rebellen verhandelt werden könne.

Was wäre, wenn Baschir jetzt sagen würde, die UN-Truppen sollen kommen? Es hat fast den Eindruck, der Weltgemeinschaft könnte kaum etwas Peinlicheres passieren. Wer wird dann gehen? Wie schnell? Wie gut ausgerüstet?

Was tun wir? Wir Deutschen?

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