Meinung : Erschrecken ohne Ende

Der Sars-Erreger hat seine Geheimnisse noch längst nicht preisgegeben

Bas Kast

W as wir am Virus am meisten fürchten, ist das Unerwartete, das Unberechenbare. Auch Sars wird diesem notorischen Ruf gerecht. Kaum glaubten wir, wir hätten das Schlimmste überstanden, da schlägt das Virus noch einmal zu. Viele Experten sind jetzt fest davon überzeugt: Diesen Erreger wird die Welt so bald nicht mehr los.

Das Virus ist hartnäckiger, als wir glaubten. Erstmals seit Ausbruch der Krankheit sind vergangene Wochen in Hongkong zwölf Patienten, die als geheilt galten, wieder im Krankenhaus. Die Ärzte stehen vor einem Rätsel. Das Unerwartete nährt die Angst.

Das Virus ist ansteckender, als man gedacht hat. Wochenlang sagten die Gesundheitsbehörden, es sei noch nie zu einer Übertragung des Erregers im Flugzeug gekommen. Das hat sich als falsch herausgestellt. Eine Stewardess hatte sich an Bord sogar an einem erkrankten Arzt angesteckt, obwohl sie kein Wort mit dem Mann gesprochen und ihm nur zweimal Essen gebracht hatte. Erst ging man davon aus, einmal geheilte Patienten seien nicht mehr ansteckend. Jetzt zeigt sich: Die Viren sind noch bis zu 25 Tage nach der Genesung im Stuhl nachzuweisen.

Das Virus ist gefährlicher als angenommen. Epidemiologen hatten die Sterblichkeit auf fünf Prozent geschätzt. Diese Schätzung beruhte weitgehend auf Zahlen aus China, wo sich anfangs vor allem Ärzte und Schwestern angesteckt hatten, Menschen mittleren Alters, meist mit guter Kondition. Inzwischen schätzen Experten, dass von 100 Erkrankten zehn bis 15 sterben – ältere Menschen sind besonders gefährdet.

Man könnte meinen, die deutschen Behörden würden auf diese Situation reagieren und die Kontrollen an den Flughäfen verschärfen – an dem Ort also, über den das Virus uns schon erreicht hat und weiterhin erreichen wird. Je höher die Zahl der Infizierten weltweit steigt, desto wahrscheinlicher wird es, dass auch bei uns Infizierte landen. Und: Kontrollen sind die einzige Waffe, die wir gegen das Virus haben. Noch gibt es kein Medikament und keinen Impfstoff.

Tatsächlich passiert wenig. Zu wenig. Am Frankfurter Flughafen hat man noch ein paar Warnplakate hingehängt – von einer konsequenten ärztlichen Kontrolle ist keine Rede.

So wird es weiter vom Glück abhängen, ob wir hierzulande von der ersten globalen Seuche des 21. Jahrhunderts verschont bleiben. Oder ob das Unerwartete auch bei uns eintrifft.

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