Meinung : „Es bleibt ein Makel meiner Karriere“

Christoph von Marschall

Er war der Mann, der die Anklage vor den Vereinten Nationen vertrat: Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen, er sei eine große Bedrohung für den Weltfrieden und müsse gewaltsam gestoppt werden. Am 5. Februar 2003 breitete Amerikas erster schwarzer Außenminister Satellitenfotos und abgehörten Funkverkehr vor den Ohren und Augen der Welt aus – „Beweise“, die von den Befürwortern einer Invasion zu Saddams Sturz begrüßt wurden, bei Kriegsgegnern dagegen auf Zweifel stießen. Die angeblichen mobilen Biowaffenlabors und anderen Terrorwaffen, vor denen Colin Powell warnte, sind bis heute nicht gefunden worden.

„Schmerzhaft“ sei für ihn die Erkenntnis gewesen, dass die Geheimdiensterkenntnisse nicht so belastbar waren, wie man ihn glauben gemacht hatte, sagte Powell am Freitagabend im US-Sender ABC, einem der ersten Interviews seit seinem Ausscheiden aus dem Amt im Januar. „Es schmerzt bis heute.“ Er verteidigte aber den damaligen CIA-Chef George Tenet, der habe ihn nicht in die Irre geführt. In den fünf Tagen, die er sich im CIA-Hauptquartier auf die UN-Rede vorbereitete, „waren Leute anwesend, die wussten, dass wir uns auf die Quellen nicht verlassen können, aber sie haben es nicht laut gesagt“. Diese Erfahrung „war für mich vernichtend“.

Powell, 1937 in New York als Kind von Einwanderern aus Jamaika geboren, hatte als Militär Karriere gemacht, in Vietnam gekämpft und für Präsident George Bush senior den Irakkrieg 1991 zur Befreiung Kuwaits geplant. Als Außenminister in der Regierung des jüngeren Präsidenten Bush galt er als moderater Gegenpol zu neokonservativen Falken wie Vizepräsident Dick Cheney oder Vizeverteidigungsminister Paul Wolfowitz. Doch mit der verbreiteten Annahme, er sei im Grunde seines Herzens gegen den Irakkrieg gewesen und nur aus Loyalität zum Präsidenten damals nicht zurückgetreten, räumte er jetzt auf. „Ja“, er habe den Angriff befürwortet. „Ich bin froh, dass Saddam Hussein gestürzt ist.“

Irak war nur ein Aspekt des Interviews. Breiten Raum nahmen die Folgen des Hurrikans „Katrina“ ein. Powell gilt als einer der Kandidaten, sollte Bush einen „Hurrikan-Zar“ als Leiter der Wiederaufbauhilfe für die nächsten sechs bis neun Monate ernennen. Daneben sind New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani und Tommy Franks, der Oberbefehlshaber des Irakkriegs, dafür im Gespräch.

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