Meinung : Es bleibt in der Familie

140 JAHRE SOZIALDEMOKRATIE

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Diesmal hat Gerhard Schröder nicht gedroht. Bei der Feier zum 140. Geburtstag der SPD hat der Parteichef geworben – um der verunsicherten sozialdemokratischen Familie Mut zu machen. Für die Älteren, für die die SPD Teil ihrer ganz privaten Familie ist, beschwor Schröder die Geschichte und die sozialdemokratischen Werte. Damit sie ihre Partei wieder erkennen. Das war die Botschaft: Wir haben ganz anderes durchgemacht, wir werden doch jetzt nicht aufgeben, wir dürfen es nicht. Damit das gelingt, müssen die Sozialdemokraten aber wieder an sich, an ihre Ziele, an die Partei glauben. Sie sollen doch Genossen bleiben – viel mehr Austritte kann sich die SPD nicht leisten. Und sie sollen kämpfen. Sonst droht die Opposition, ein Ort, den die SPD zu gut kennt. Deshalb auch die Bitte an die Gewerkschaften, sich trotz allem für den Reformkurs zu entscheiden – und für die Freundschaft, für die Familie. Beide gelten vielen eben immer noch als Hüter der Gerechtigkeit. Und sind sie wieder Seit’ an Seit’ mit Schröder, kann seine Botschaft ankommen: Wenn nicht die SPD bestimmt, sondern Konservative und Neoliberale, dann droht soziale Kälte. Das klang, als wollte Schröder auch sich selbst vergewissern. Er musste bei dieser letzten Gelegenheit vor dem Sonderparteitag Fühlung mit der Familie SPD aufnehmen. Denn nur wer seiner selbst sicher ist, kann anderen Sicherheit und Zuversicht geben. mue

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