Meinung : Es brodelt, überall

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Aus den Ergebnissen der Bischofssynode im Vatikan darf, wer will, eine fortgesetzte Reformverweigerung herauslesen. Diskussionsverlauf und Stimmungsberichte lassen jedoch auch eine andere Interpretation zu: Die katholische Kirche ist zutiefst verunsichert. Glaubenskrise, Säkularisierung, Globalisierung, Priestermangel, gesellschaftlicher Wandel – alles bricht über sie herein. Die Unruhe wächst, aber einen Ausweg, Patentrezepte gar, hat keiner. Überhaupt verlaufen die Bruchlinien nicht mehr zwischen Reformern und Konservativen oder zwischen den mehr „Innerlichen“ und den mehr „Praktischen“. Vielmehr führen die unterschiedlichen Situationen in den einzelnen Teilen der Welt bei den Bischöfen zu verschiedenen Diagnosen. Nach mehr Zentralisierung hat in Rom keiner mehr gerufen – und so ist die Frage drängender denn je: Wie bewahrt die katholische Kirche ihre Einheitlichkeit, die sie im Vergleich zu anderen Kirchen unverwechselbar macht? Wie weit muss sie sich ausdifferenzieren, um den unterschiedlichen Menschen, Regionen und Kulturen näher zu kommen? Wenn die Bischöfe der Welt nun drei Wochen lang über die Messfeier sprachen, so haben sie in der Tat über den Kern der Katholizität geredet – aber in den ungleich zahlreicheren praktischen Fragen am Rande waren sie derart unentschlossen, dass sie keine Vorschläge präsentierten, sondern bloß das Bewährte bekräftigten. Der Papst, der jetzt, als Einzelner, mit diesen „Ergebnissen“ etwas anfangen soll, aber überall nur das Brodeln spürt, ist nicht zu beneiden.pak

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