Es fehlen die Anhänger : Weder Schloss noch Humboldt-Forum

Die Öffentlichkeit schweigt. Augenscheinlich gibt es keine Unterstützung, weder für den Schloss-Wiederaufbau noch für das Humboldt-Forum.

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Schweigend hatte die Öffentlichkeit auch zur Kenntnis genommen, dass Berlin die Mitfinanzierung des Humboldt-Forums zurückstellt, solange der Bund seinerseits das Projekt aussetzt.

Warum das Schloss bei der Intelligenz dieser Stadt keine oder allenfalls kaum Unterstützung findet, lässt sich zumindest erklären. West-Berlin war jahrzehntelang der Fluchtpunkt all derer, die sich aus der bundesdeutschen Wirklichkeit in ein linksalternatives Nirwana flüchten wollten, unbeschwert von der deutschen Geschichte. Dazu passt kein Preußen, schon gar kein Schloss.

Dass aber auch die Idee des Humboldt-Forums so wenig Anhänger gewonnen hat, muss doch überraschen. Vielleicht muss man das Vorhaben nicht überzeugend finden, die Bestände der Museen außereuropäischer Kulturen aus dem Vorort Dahlem nach Mitte zu verlagern, garniert mit einem zur „Agora“ veredelten Vortrags- und Veranstaltungskalender. Aber dem dahinter erkennbaren Gedanken, die Welt aus anderen als der abendländischen Perspektive wahrzunehmen, hätte man größere Faszination zugetraut. Schon gar aus den Reihen derer, die keine Gelegenheit auslassen, auf ihre antieurozentrische, multikulturelle und rundweg globale Gesinnung zu pochen. Auch aus den Universitäten, von denen die Humboldt-Universität ihr Eckchen in dem nach den gemeinsamen Ahnherren benannten Forum erhalten soll, ist rein nichts zu vernehmen.

Schloss und Humboldt-Forum blockieren sich gegenseitig. Die Forderung nach dem Wiederaufbau der Residenz ergab sich aus historischen und städtebaulichen Gründen, als Schließung einer doppelten Wunde, am Bild der Stadt wie an ihrem Gedächtnis. Das Humboldt-Forum kam später, als sich die Frage nach der Nutzung stellte. Ob die Idee mit den außereuropäischen Sammlungen, die in Dahlem vereinsamen, nun genial war oder nur clever, bleibt die Frage. Denn die naheliegende und historisch angemessene Lösung, das Schloss als Mittelpunkt der preußischen Geschichte und Kultur herzurichten und die ihm im Zweiten Weltkrieg entrissenen Sammlungen an Kunst und Kunsthandwerk zurückzugeben, stand nie ernsthaft zur Diskussion. Dann hätte sich womöglich ergeben, auch die Gemäldegalerie an ihrem Ursprungsort zu bündeln, für die weder am Kulturforum noch auf der Museumsinsel ausreichend Platz bereitsteht, so dass sich die Verantwortlichen an die Hoffnung klammern, eine weitere Gemäldegalerie zu errichten, diesmal gegenüber dem Bode-Museum – statt das naheliegende Schloss als Jahrhundertchance zu begreifen.

Im Moment wissen weder die Schlossfreunde sich für die Ethnografica zu begeistern, noch die Befürworter des Humboldt-Forums für den Schlüter’schen Barock. Verständlich. Doch gibt es eine entscheidende Differenz: Das Humboldt-Forum muss nicht auf dem Schlossplatz entstehen. Das Schloss jedoch kann nirgend anders sein.

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