Meinung : Es gibt wieder viel zu tun

Zur Hochwasserkatastrophe 2013

Die Hochwasserkatastrophe macht umfassende Hilfe notwendig, und zwar nicht nur aus öffentlichen Kassen, sondern auch von jenen Bürgern, die nicht unmittelbar betroffen sind.

Für das, was auf diese Weise möglich ist, war die Flutkatastrophe von 2002 ein beeindruckendes Beispiel. Das Aufkommen an Spenden hat damals sogar den Bedarf für notwendige Hilfeleistungen zeitweilig überschritten.

Jetzt aber bleibt das Aufkommen an privaten Spenden, wenn man der Berichterstattung glauben darf, weit hinter den Erwartungen der Hilfsorganisationen zurück. Dieses – hoffentlich nur vorläufige – Ergebnis kann nicht überraschen, wenn man registriert, dass die öffentliche Aufforderung, zu spenden, und vor allem die öffentlich wirksame Bekanntgabe von Hilfsorganisationen und ihren Spendenkonten durch die Medien weitgehend unterbleibt bzw. durch einen lapidaren Hinweis auf Informationen im Internet ersetzt wird.

Bereitschaft, zu spenden, ist vor allem unter älteren Menschen anzutreffen, die über ein gesichertes Einkommen verfügen und keine sozialen Verpflichtungen mehr haben. Diese besitzen aber oft keinen Zugang zum Internet oder fühlen sich unbeholfen im Umgang mit moderner Datenkommunikation.

In jedem Falle mutet der Hinweis auf das Internet den Spendenwilligen eine umständliche Orientierung auf der Suche nach einem zuverlässigen Spendenempfänger zu. Die Hilfsbereitschaft kann dabei erlahmen, noch bevor sie ihr Ziel erreicht hat. Vor allem entfällt auf diese Weise die unmittelbare und suggestive Ansprache in den Medien, die spontane Entschlüsse zu persönlicher Hilfeleistung auslösen kann. Im Jahre 2002 wurde davon in großem Umfang Gebrauch gemacht, und auch bei anderen Katastrophen im In- und Ausland war das der Fall.

Erstmals gibt es jetzt so etwas wie ein stillschweigendes Übereinkommen unter den Medien, von den bewährten Informationswegen der Vergangenheit nicht mehr Gebrauch zu machen. Der Schaden, der dadurch den Flutopfern entsteht, ist gar nicht abzuschätzen, wenn nicht noch in letzter Minute ein Umsteuern in den Medien erfolgt.

Jan Hoesch, Ministerialrat a. D.,

Berlin-Zehlendorf

Weil die Deiche nicht sicher genug waren, ist ein hoher Schaden an Hab und Gut entstanden. Auch der psychische Schaden bei den Menschen wiegt schwer. Dem sollte die Politik jetzt vorbeugen und Stahlpfähle entlang der Deiche in entsprechender sicherer Höhe einrammen. Diese Stahlwand sollte für 50 Jahre Sicherheit bieten. Lieber jetzt in die Sicherheit investieren, als später wieder für hohe Schäden aufkommen. Auch sollten der Flusslauf und die Überflutungsflächen überarbeitet und neu festgelegt werden. Es gibt viel zu tun. Die Politik ist jetzt gefordert!

Klaus Neudek, Schwerin

Elf Jahre hatten die Herrschaften in Ländern und Kommunen Zeit. Wieso haben wir wieder eine Katastrophe? Stimmt es, dass Sachsen in den elf Jahren gerade mal 500 Millionen Euro in den Hochwasserschutz gesteckt hat, so viel, wie ein einziges Autobahnfitzel A 100 in Berlin kosten soll? Stimmt es, dass man in Sachsen von 46 Projekten für Deichrückverlegungen, die man im Schock von 2002 anpacken wollte, ganze zwei realisiert hat? Hat Sachsen-Anhalt seine Deiche eigentlich verlottern lassen, wenn man nicht einmal die Bahnstrecke Berlin – Hannover schützen konnte? Wo sind die Überflutungsflächen (Brandenburg konnte stolz zumindest eine vorweisen!), was hat man zur Wasserrückhaltung in den Quellgebieten, was zur Bodenentsiegelung unternommen? Stimmt es, dass weitere Baugenehmigungen in offensichtlich flutgefährdeten Gebieten erteilt worden sind („nicht versicherbare Risiken“)?

Jetzt gibt es Geld, nach oben offen, um die Opfer zu entschädigen, natürlich alles durch zusätzliche Schulden finanziert (das bedeutet Herrn Röslers Wort „Nachtragshaushalt“). Hat man irgendetwas dazugelernt? Wo sind die energischen Maßnahmen, die klaren Investitionslinien zum Hochwasserschutz? Nichts ist davon zu lesen oder zu hören! Also – blindlings auf zur nächsten Katastrophe. Die nächste Flut kommt, die Frage ist nicht, ob, sondern wann. Dann werden die Politiker wieder einmal Mitgefühl bekunden und um Spenden der Bevölkerung werben. Sie sollten lieber ihren Job machen.

Ein Kompliment den Katastrophenschützern – sie waren offenbar hervorragend vorbereitet und haben fantastisch engagiert gearbeitet.

Reinhard Kaiser,

Berlin-Prenzlauer Berg

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