Meinung : „Es ist nicht mein Stil, …

Hans Monath

… mit blutunterlaufenen Augen auf den Gegner loszustürmen.“

Nur eine kleine Minderheit unter den Abgeordneten der damals noch regierenden Unionsfraktion hätte Peter Altmaier wohl Mitte der 90er eine Karriere in den eigenen Reihen vorausgesagt. Denn der Jurist aus dem Saarland erwarb sich in der CDU durch kontrollierte Provokationen schnell den Ruf eines Querulanten, nachdem er 1994 in den Bundestag eingezogen war. In der Agoniephase der Regierung Kohl verletzte er ein Unions-Tabu nach dem anderen. Der „junge Wilde“ forderte forsch ein liberales Staatsbürgerrecht, verteidigte Wehrmachtsdeserteure und gründete die „Pizza-Connection“ mit, jenen Kreis, in dem Christdemokraten und Grüne sich schätzen lernten. Das allein hatte im eigenen Lager schon genug Befremden ausgelöst. Vollends unbeliebt machte sich der beurlaubte Beamte der EU-Kommission, als er auch den ungebrochenen Machtanspruch des Kanzlers attackierte.

Fast zehn Jahre später rückt der lange als Nestbeschmutzer Geschmähte jetzt in eine zentrale Funktion der eigenen Fraktion auf: Der Politiker, dem die linksalternative „Tageszeitung“ einmal ein ganzseitiges, wohlmeinendes Porträt mit dem schönen Titel „Jung und wild in Andernach“ widmete, wurde am Dienstag zum Justitiar seiner Fraktion gewählt. Der Posten gilt als Zwischenstation für aufsteigende Polit-Talente.

Dabei hat der Saarländer weder sein politisches Weltbild noch sein Temperament geändert, das mit Lust politische Erkenntnis in der Auseinandersetzung mit anderen Meinungen sucht. Und noch heute wird der Patriarch Kohl, den Altmaier attackiert hatte, in der Union hoch geschätzt und bejubelt. Doch spätestens mit dem Spendenskandal 1999/2000 durfte sich der Kritiker bestätigt fühlen. „Das, was als System Kohl umschrieben wird, bezeichnet die Verarmung der internen Willensbildung und den Verlust von Verantwortung“, sagte er damals.

Auch hatte CDU-Parteichefin Angela Merkel dem Rechts- und Europapolitiker inzwischen auf elegante Weise Gelegenheit gegeben, sich im Dienst der Union zu bewähren. Manche Beobachter irritierte es, dass sich der als liberal und fair geltende Altmaier Anfang 2003 dazu hergab, für die Union als Obmann ausgerechnet im Untersuchungsausschuss „Wahlbetrug“ zu wirken. Dass Altmaier seine Aufgabe dann jedoch kampfeslustig und energisch, aber ohne Schaum vor dem Mund erledigte, trug ihm in den eigenen Reihen viel Respekt ein.

Nicht nur an der eigenen Partei, auch an der politischen Kultur Deutschlands stößt sich Altmaier manchmal. „Pluralismus als politisches Prinzip ist im öffentlichen Bewusstsein nur sehr unzureichend verankert“, hat er einmal geklagt. Leicht wird es für ihn nicht, diese Überzeugung auch in der neuen Funktion zu vertreten: selbstständig und bereit zu jeder Auseinandersetzung – und trotz alledem höchst loyal gegenüber der eigenen Fraktion.

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