Meinung : Es leben die Stadtparadiese

„Baut mehr Zäune!“ vom 28. Januar

Ich bin ganz Joachim Hubers Meinung: „Der öffentliche Raum kommt erst dann zur Ruhe, wenn er ordentlich eingesperrt ist.“ Ich würde sagen, wenn er architekturräumlich gefasst ist und durch eine kultiviert-respektable Einfassung die Grenze zwischen innerer Erholungs- und Ruhezone und äußerer hektisch-lärmender Betriebsamkeit deutlich markiert. Denn gerade die scheinbar unbegrenzt marktschreierische und verkehrsumtoste Ruhelosigkeit in den Städten macht solche Oasen der Stille notwendiger denn je.

In den Stadtplanungen der Frühmoderne um 1900 gehörten solche grün- und architekturgefassten Refugien, sogenannte Stadtplätze oder Squares, zum allgemeinen Stadtplanungsdenken für die aufstrebenden Metropolen der Welt bis hin zu den Mittel- und Kleinstädten. Stadtplanung und Architektur waren somit nicht nur eine technische Angelegenheit, sondern eine Kulturaufgabe.

Aussparungen in den verdichteten Städten zugunsten zentraler Platzfixierungen, stadträumlicher Fassungen und Sichtachsen, waren elementarer Bestandteil der Stadtplanung. Als absolutistisches Erbe missverstanden und geächtet, wurden diese Orte meist antiurbanen Vorstellungen der Internationalen Moderne des 20. Jahrhunderts geopfert. Desorientierende, scheinbar demokratisch-transparente Auflösungsmodelle machten nun Schule. Reißt die Zäune nieder, kein Halt nirgendwo, Geborgenheit ein Fremdwort, Verkehrsquerungen gaben den letzten öffentlichen Stadtplätzen den Rest.

In Paris oder New York kennt man noch den erholsam-atmosphärischen Wert solch geschützter Stadträume, und alle, die den Viktoria-Luise-Platz in

Berlin-Schöneberg kennen, wissen ihn zu schätzen. Ältere Bürger und stressgeplagte Menschen, Familien und Mütter mit Kindern und Touristen erfreuen sich jederzeit über die Gelegenheit, hier für eine gewisse Zeit Erholung und Entspannung finden zu können.

Werner Brunner, Berlin-Kreuzberg

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