Meinung : „Es melden sich täglich Familien“

Heike Jahberg

Und die wollen alle eines: Dass die Super-Nanny auch zu ihnen nach Haus kommt und endlich alles gut wird. Dass die Kinder nicht mehr aufeinander oder auf ihre Eltern einprügeln, dass sie zur Schule gehen, statt sich in Einkaufspassagen herumzutreiben. Dafür nehmen diese Väter und Mütter in Kauf, dass ihnen ein Millionenpublikum bei ihren Erziehungsversuchen zusieht, Nervenzusammenbrüche inklusive.

Denn die Super-Nanny ist im Auftrag des Privatfernsehens unterwegs. Seit Herbst 2004 läuft die Erziehungsdoku auf RTL und das mit so viel Erfolg, dass ständig neue Staffeln gedreht werden. Seit vergangenem Mittwoch werden sieben neue Folgen ausgestrahlt, heute Abend ist es wieder so weit.

Kaum eine andere Fernsehfigur hat die Nation so gespalten wie die Super-Nanny. „Domina der Kindererziehung“ oder „familientherapeutische Emma Peel“ nennen sie die einen. Ihren Erziehungsstil, der auf klaren Regeln basiert, finden sie autoritär, der Kinderschutzbund hält die Sendung für entwürdigend. Die knapp vier Millionen Fernsehzuschauer, die regelmäßig einschalten, stört das aber nicht.

Eines müssen selbst Kritiker der Super-Nanny lassen. Sie ist vom Fach. Katharina (Katja) Saalfrank ist studierte Pädagogin und Musiktherapeutin. Sie lebt in Berlin, hat in einer kinderpsychiatrischen Praxis am Wittenbergplatz gearbeitet und anschließend in der Kinderklinik Lindenhof in Lichtenberg. Dafür ist jetzt keine Zeit mehr. Als Super-Nanny lebt sie tagelang mit den Fernsehfamilien zusammen, außerdem schreibt sie Erziehungskolumnen und hat jetzt ein Ratgeberbuch veröffentlicht. Zudem ist die Pfarrerstochter gern gesehener Gast in Talkshows.

Normalen Müttern kann die Super-Nanny durchaus Komplexe machen. Katja Saalfrank, 34 Jahre alt, ist selber Mutter von vier Söhnen, doch das sieht man ihr nicht an. Schlank, fast mädchenhaft sieht sie aus. Mit dem ersten Kind war sie schwanger, als sie 20 war und mitten im Abitur stand. Mutter sein und studieren – kein Problem.

Doch der TV-Ruhm fordert seinen Tribut. Die Einschulung ihres Ältesten auf dem Gymnasium hat sie sich per Video ansehen müssen. Klassenkameraden der Kinder lassen hin und wieder anfragen, ob die Nanny nicht auch mal bei ihnen vorbeischauen könnte. Ein Kindermädchen, eine „Nanny“, haben die Saalfranks übrigens nicht. Die Au-pair-Mädchen hätten sich nicht bewährt, sagt sie. „Jede Woche ging etwas schief“. Fast wie im Fernsehen.

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