Meinung : „Es war eine Höllenfahrt“

Hans-Hagen Bremer

Solange er im Amt war, sprach kaum jemand von ihm. Jetzt, wo er kurz vor den Wahlen aus der Regierung ausgeschieden ist, macht er umso mehr von sich reden. Azouz Begag, bisheriger Minister für Chancengleichheit und in dieser Funktion zuständig für die Integration von Einwanderern, hat ein Buch geschrieben. Darin berichtet er über seine Erfahrungen als Kabinettsmitglied der Villepin-Regierung: „Es war eine Höllenfahrt.“

Sie begann im Herbst 2005, als Nicolas Sarkozy, damals Innenminister und heute Präsidentschaftskandidat der Regierungspartei UMP, das inzwischen zu traurigem Ruhm gelangte Wort vom „Hochdruckreiniger“ gebrauchte, mit dem man die Vorstädte von jugendlichem „Lumpengesindel“ befreien solle. Man müsse seine Worte zu wählen wissen, hatte Begag damals den Innenminister kritisiert, und sich damit dessen Hass und den der „Sarko-Boys“ in der Regierung zugezogen. Für sie sei er nur noch „Villepins Araber“ gewesen. „Was, du bist immer noch da?“, habe ihn Sarkozy bei den wöchentlichen Regierungssitzungen stets in einem Ton begrüßt, den er nicht als lustig empfinden konnte. Brice Hortefeux, als Minister für lokale Gebietskörperschaften Sarkozys engster Mitarbeiter, habe ihn einmal sogar im Parlament angefaucht: „Hau ab, dein Platz ist woanders.“

Als Symbolfigur eines gelungenen sozialen Aufstiegs hatte der Premierminister ihn in die Regierung geholt. Begag war 1957 in Lyon als eines von sieben Kindern algerischer Eltern zur Welt gekommen, die weder lesen noch schreiben konnten und kein Französisch sprachen. Er studierte Sozialwissenschaften, wurde Hochschullehrer und Gastprofessor in den USA und ist Autor zahlreicher Bücher zum Thema Integration.

Die Arbeit in der Regierung jedoch empfand er von Anfang an als problematisch. In seinem Buch beklagt sich Begag über die fehlende Unterstützung durch den Regierungschef nach den Demütigungen durch Sarkozy. Einmal habe dieser ihn zu einem Gespräch eingeladen und ihn gefragt: „Warum greifst du mich an, Azouz, ich habe dir doch gar nichts getan?“ Ein anderes Mal habe Sarkozy ihn nach einer Kritik am Einwanderungsgesetz angerufen und ihm gedroht: „Du bist ein Schweinehund, komm mir nicht mehr unter die Augen, sonst hau ich dir die Fresse ein, Drecksack.“

Sarkozy schweigt bisher zu Begags Offenbarungen. Den Integrationsminister aber kosteten sie auf Druck Villepins das Amt. Seitdem hat er sich dem Lager des Zentrumskandidaten Francois Bayrou angeschlossen.

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