Meinung : „Es wird noch unterschätzt, …

Antje Sirleschtov

…welche Anstrengung die Überwindung der deutschen Teilung für unsere Volkswirtschaft bedeutet. Dies zu meistern, wird sicher noch einmal 15 Jahre brauchen.“

Dass der Bundeskanzler jetzt nicht hektisch Konjunkturprogramme aus dem Ärmel schütteln kann, damit die Arbeitslosigkeit sinkt, ist klar. Erstens funktioniert die Ökonomie nicht auf Knopfdruck, zweitens hat Rot-Grün kein Geld dafür und drittens führen wirkungslose Schnellschüsse nur zum Ruf der Planlosigkeit. Weil sich die Regierung aber ebenso wenig der Gleichgültigkeit zeihen lassen kann, braucht Gerhard Schröder ein überzeugendes und im möglichst breiten politischen Konsens getragenes Konzept für einen zuerst psychologischen und später auch tatsächlichen Pusch der deutschen Wirtschaft.

Einen, der sich womöglich mit so was auskennt, hat der Kanzler vor vier Wochen mit Thomas Mirow ins Amt geholt und zu seinem Wirtschaftsberater gemacht. Als Diplomatensohn und Unternehmensberater ist der 52-jährige Mirow nicht verdächtig, mit Donnergrollen gewaltige Investitionsprogramme zu erdenken, die sich später als teure Luftnummern entpuppen. Das Elegante, fein Ziselierte, ist da schon eher seine Art. Beharrlich eine Airbus-Ansiedlung in Hamburg zu verfolgen, der Hafencity eine ökonomische Zukunft zu geben: Das sind Markenzeichen des einstigen Wirtschaftssenators von Hamburg. Und das waren seine Trümpfe auch als Unternehmensberater. Jetzt kann, ja jetzt muss Mirow zeigen, wie zielgenau er Aufbruchsignale inhaltlich bestimmen und letztlich auch politisch durchsetzen kann.

Als Mirows Vorgänger im Amt, Bernd Pfaffenbach, letzten Herbst ins Wirtschaftsministerium wechselte, blieb die Position des Kanzlerberaters für Wirtschaft überraschend lange unbesetzt. Weshalb mancher schon damit gerechnet hat, dass Schröders Personalentscheidung am Ende eine klare Botschaft über seinen wirtschaftspolitischen Kurs bis zur Bundestagswahl aussenden wird: Mirow hat solche Erwartungen enttäuscht. Weil er sich einer Polarisierung bisher entzogen hat. Sozialdemokratisch, pragmatisch, auch nachdenklich – und damit vielleicht der Richtige.

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