Meinung : EU-Gipfel: Beschränkter Ehrgeiz

cvm

Danke, Jacques Chirac! "Vielleicht sind unsere Arbeitsmethoden katastrophal und unser Ehrgeiz beschränkt ...", räumte Frankreichs Präsident beim EU-Gipfel ein. Leider hat er es nicht wirklich gemeint, dies war nur eine rhetorische Figur vor dem Selbstlob: "Wir kommen aber doch voran." Für Stockholm stimmte das nicht, dort hielten die Taten nicht Schritt mit den Worten. Die gute Botschaft: Von wegen Rezession! Als Konjunktur-Lokomotive möchte die EU der Welt dienen, drei Prozent Wachstum seien 2001 trotz USA und Japan möglich. Die - gar nicht so unrealistische - Bekräftigung war bitter nötig, zumal für Deutschland, wo gerade wieder die Schwarzmaler den Ton angeben. Doch ihre Glaubwürdigkeit haben die Staats- und Regierungschef gleich selbst untergraben: Die geplante Liberalisierung der Energiemärkte scheiterte am deutsch-französischen Veto. Schröders Schulterschluss mit Chirac war nötig, um das Misstrauen nach Nizza zu überwinden - bestätigt aber das Urteil "katastrophale Arbeitsmethoden, beschränkter Ehrgeiz". Eine andere Nachricht aus dem Norden hellt das Bild ein wenig auf: Seit Sonntag gilt freie Fahrt ohne Passkontrollen - von der Barentssee bis Sizilien. Ja, Europa kommt voran. Nur etwas zu langsam.

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