EU-Pläne für die Banken : Ran an die Sparer

Bei Bankenpleiten sollen künftig erst die Kapitalgeber und Sparer mit einem Guthaben ab 100 000 Euro zur Kasse gebeten werden, bevor die Steuerzahler einspringen. Gut so.

Heike Jahberg
EU-Kommissar Michel Barnier.
EU-Kommissar Michel Barnier.Foto: AFP

Jetzt ist die Katze aus dem Sack. Noch vor wenigen Tagen hatte Europas oberster Währungshüter, Mario Draghi, versichert, Zypern sei keinesfalls die Blaupause für andere Banken-Rettungsfälle in Euro-Land. Eine Zwangsbeteiligung wohlhabender Anleger sei nicht auf andere Länder übertragbar. Und auch der Holländer Jeroen Dijsselbloem, Chef der Euro-Gruppe, der das zuvor behauptet hatte, ruderte umgehend zurück. Doch jetzt weiß man: Hinter den Kulissen arbeitet die EU-Kommission an einem Gesetz, das genau das vorsieht. Bei Bankenpleiten sollen künftig erst die Kapitalgeber und Sparer mit einem Guthaben ab 100 000 Euro zur Kasse gebeten werden, bevor die Steuerzahler über den Rettungsschirm ESM einspringen. Zypern als Blaupause? Also doch. Und zu Recht. Immerhin haben viele Sparer in kriselnden EU- Ländern vor der Schieflage von ihrer Bank profitiert – über höhere Zinsen oder durch eine größere Verschwiegenheit des Instituts gegenüber dem Fiskus. Genau hier liegt das Problem. Denn der 100 000-Euro-Plan aus Brüssel könnte dazu führen, dass wohlhabende Anleger ihr Geld jetzt noch häufiger aus der EU abziehen und in der Karibik oder der Schweiz unterbringen. Eine gerechte Lastenteilung bei der Bankenrettung setzt daher eines voraus: einen wirksamen Kampf gegen die Steueroasen in aller Welt. hej

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