Euro-Krise : Athen vor dem Endspiel

Griechenland kriegt seine Schulden nicht in den Griff. Gleichzeitig bremsen die Sparmaßnahmen die Wirtschaft. Wie das endet, ist absehbar - und war es eigentlich von Anfang an.

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Ruinen vor Sonnenuntergang: Symbolträchtige Motive finden die Fotografen in Griechenland reichlich.
Ruinen vor Sonnenuntergang: Symbolträchtige Motive finden die Fotografen in Griechenland reichlich.Foto: dpa

Nun ist es bald so weit. In wenigen Wochen, vielleicht sogar schon binnen Tagen, wird sich zeigen, dass der Plan zur Abwendung der Staatspleite in Griechenland gescheitert ist. 1,7 Milliarden Euro fehlen in der Athener Staatskasse, um der Auflage zu entsprechen, an deren Erfüllung die Euro-Staaten die weitere Auszahlung ihrer Überbrückungskredite gebunden haben. Dieses Geld, so beschloss das Athener Kabinett, soll jetzt über eine Sondersteuer auf Immobilien in die Kasse kommen. Doch das ist ein Akt der Verzweiflung ohne Hoffnung auf Erfolg. Denn das Geld soll eine überforderte staatliche Verwaltung eintreiben, die schon der bekannten Außenstände von 40 Milliarden Euro nicht Herr wird, nicht zuletzt deshalb, weil viele ihrer Mitarbeiter wegen der Kürzung ihrer Gehälter in den Streik treten.

Die Episode zeigt im Detail, was für Griechenlands Staat und Volkswirtschaft insgesamt gilt: Mit bloßen Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen ist das Problem der Überschuldung nicht zu lösen. Als die Misere ans Licht kam, lag die griechische Staatsverschuldung bei 127 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung des Landes. Bis Ende des Jahres wird dieses Verhältnis voraussichtlich auf 166 Prozent gestiegen sein. Mit der durch das Sparprogramm verschärften Rezession brechen die Steuereinnahmen schneller ein, als Ausgaben gekürzt werden können.

Genau das haben die meisten unabhängigen Fachleute schon im Frühjahr 2010 vorhergesagt und darum ein Insolvenzverfahren für Griechenland gefordert. So hätte sich die Schuldenlast auf ein tragbares Maß reduzieren lassen und dem Land wäre ein Neustart ermöglicht worden. Ja, einige Banken und ihre vermögenden Kunden hätten erhebliche Verluste gemacht, so wie es in der Marktwirtschaft üblich ist, wenn Anleger falsch investiert haben. Und vermutlich hätten die drei griechischen Großbanken verstaatlicht und mit neuem Kapital ausgestattet werden müssen, um das griechische Zahlungssystem vor dem Zusammenbruch zu retten. Insofern wären auch in diesem Fall großzügige Überbrückungskredite für Griechenland unverzichtbar gewesen, um den Staat zu sanieren, der für mehrere Jahre vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten worden wäre. Doch diese Kredite wären gut angelegt gewesen, und Griechenland hätte reelle Chancen gehabt, sie später zurückzuzahlen.

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