Eurokrise : Pleite kann jeder gehen

Promis wie Martin Semmelrogge und Burt Reynolds machen es vor: Auch mit einem hohen Einkommen kann man Pleite gehen. Ein paar Seitenhiebe nach Berlin.

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Unser Autor Harald Martenstein.
Unser Autor Harald Martenstein.Foto: ddp

Neben der europäischen Finanzkrise hat sich, in ähnlichem Tempo, aber vergleichsweise unbemerkt, eine zweite Finanzkrise ausgebreitet, nämlich die Finanzkrise der internationalen Prominenz. In den vergangenen Monaten standen, unter anderem, über den Schauspieler Horst Janson, den Sänger Tony Marshall, den Sänger Gottlieb Wendehals, den Schauspieler Martin Semmelrogge, den Schauspieler Nicolas Cage, den Schauspieler Burt Reynolds, die Autorin Hera Lind und über Pamela Anderson Dinge in den Zeitungen, die stark an Griechenland oder Portugal erinnert haben. Sie sollen alle, mehr oder weniger, pleite sein. Jeder Fall liegt anders, aber im Großen und Ganzen war es wohl so: Sie haben sich Dinge geleistet, die sich im Nachhinein als zu teuer herausgestellt haben.

Bei Hera Lind, die sich finanziell wieder ein wenig erholt hat, waren es Ostimmobilien. Der Name des Notars wäre interessant, ist aber bisher unbekannt. Auch Nicolas Cage sind die Immobilien zum Verhängnis geworden, obwohl das ja im Wirtschaftsteil als sichere Anlage angepriesen wird. Gottlieb Wendehals hat offenbar jahrelang auf das Steuerzahlen weitgehend verzichtet. Martin Semmelrogge wird auch „der deutsche Charlie Sheen“ genannt, das soll als Begründung genügen, und Pamela Anderson lebt jetzt im Trailerpark. Angeblich hat sie viel Geld verloren, aber nicht ihren Optimismus. Der alte Burt Reynolds dagegen („Ein Supertyp haut auf die Pauke“, 1975) soll unter dem Verlust seiner Villa leiden wie ein Tier. Ähnlich wie Griechenland ist Burt Reynolds sogar schon mehrmals pleite gewesen.

Auch Tony Marshall, 73, hat den Titel eines Superhits, „Heute haun wir auf die Pauke“, 1982, zur Lebensdevise gemacht. Er besaß 37 Autos, was wohl kein Problem gewesen wäre, wenn er nicht gleichzeitig diesen verdammten Hang zu Notarbesuchen und Immobilienkäufen besessen hätte. Die einzige wirklich originelle Pleite, keine Häuser, keine Autos, keine Steuerschulden, hat die Schauspielerin Ingrid Steeger inszeniert, bei ihr ist „das meiste Geld für Männer draufgegangen“.

Auch wer hohe Einnahmen hat, kann pleitegehen, wenn er sich überschätzt – das ist wohl die Lehre aus all diesen Geschichten. Auf die Europakrise übersetzt, bedeutet dies, dass Steuererhöhungen und weitere Schulden mit Hilfe von Euro-Bonds vermutlich keinen Ausweg darstellen. Um ein gewisses Maß an solidem Wirtschaften kommt niemand herum. Gottlieb Wendehals und Tony Marshall aber hätten, wenn Angela Merkel ihnen vor ein paar Jahren zum Sparen geraten und von weiterer Verschuldung abgeraten hätte, sie vermutlich ausgelacht, oder sie hätten auf Angela Merkel geschimpft, so, wie es zur Zeit die Engländer tun.

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