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Europa und die USA : Das transatlantische Verhältnis wird unter Obama leiden

08.11.2012 12:24 Uhrvon
Nicht nur eitel Sonnenschein zwischen den USA und Europa.Bild vergrößern
Nicht nur eitel Sonnenschein zwischen den USA und Europa. - Foto: dpa

Auf die Freude über den Wahlsieg Obamas hierzulande wird schon bald Ernüchterung folgen. Die USA vernachlässigen das transatlantische Verhältnis ganz bewusst. Europa ist jetzt auf sich allein gestellt.

Ist jetzt alles gut? Die europäische, vor allem die deutsche Reaktion auf Obamas Wiederwahl gleicht der nach einem erfüllten Heilsversprechen. Wir sind maßlos, so oder so. Ja, Mitt Romney erinnerte in seiner Tonlage bei außenpolitischen Wertungen gelegentlich an die markigen Intonationen eines George W. Bush und wirkte damit merkwürdig aus der Zeit genommen. Aber die Annahme, in der zweiten Amtszeit von Barack Obama würde am Himmel zwischen Europa und den USA nur eitel Sonnenschein herrschen, ist ziemlich blind.

Die alte Welt steht schon seit dem Ende der Ära Clinton nicht mehr im Mittelpunkt der US-Außenpolitik. Seit der deutschen Wiedervereinigung und dem Zerfall des Ostblocks ist Europa keine Krisenregion mehr. Wir müssen uns um uns selbst kümmern. Schon daran scheitern wir. Die reiche Europäische Union bettelt beim Internationalen Währungsfonds um Hilfe – was für eine unglaubliche Blamage! Die Friedensdividende nach 1989 haben wir aufgezehrt und darüber hinaus auch noch am Grundkapital genagt. Unsere Verteidigungsfähigkeit und die Möglichkeit, zu weltweiten Krisenlösungen beizutragen, sind ungenügend.

Barack Obama ist nicht der erste amerikanische Präsident, der deshalb mit einer gewissen Verachtung auf Europas Wehleidigkeit schaut. Amerika darf sich damit nicht aufhalten. Der CDU-Außenpolitiker Ruprecht Polenz erinnerte gerade an den Ausspruch von Madeleine Albright, die USA seien eine „indispensible nation“, ein Land, ohne das globale Krisen nicht gelöst werden können. Dazu gehören vor allem der Nahe und Mittlere Osten und der Iran. Da fielen die USA in den letzten Monaten als Akteur aus, weil man nirgendwo wusste, mit wem man es nach dem 6. November zu tun habe würde.

Nicht nur diese Region steht nun ganz oben auf der Prioritätenliste der US-Außenpolitik, sondern auch der pazifische Raum. Das hat weniger damit zu tun, dass hier Barack Obamas Wurzeln sind. Ein Blick auf die Landkarte und auf die globalen Handelsströme zeigt, warum die Vereinigten Staaten dort dringend aktiv werden müssen. Unsere Weltkarten sind jedoch eurozentriert. Die der USA von heute zeigen den Pazifik in der Mitte. Nichts belegt eindringlicher die unterschiedlichen Blickwinkel.

Im November 2011 hat Barack Obama bei einer Rede in der australischen Hauptstadt Canberra den Anspruch der USA auf Mitgestaltung und Mitverantwortung in dieser Region artikuliert. „Die USA sind eine Pazifikmacht, und wir sind da, um zu bleiben“, sagte er. Für Egon Bahr, den Architekten der Ostpolitik, führt von dieser selbstbewussten Position eine direkte Linie zu John F. Kennedys Satz aus dem Jahre 1963 „Ich bin ein Berliner“. Obama hat sich, davon ist Bahr überzeugt, auf Kennedy bezogen, um die Entschlossenheit seines Landes zu betonen.

Die transatlantischen Beziehungen bleiben wichtig, ja. Aber auch hier könnte das Modell „Wandel durch Annäherung“ zu neuer Nähe führen, etwa durch Realisierung der Freihandelszone zwischen den USA und Europa. Wirtschaft war schon immer ein guter Kitt.

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