Europäische Integration : Bis der Arzt kommt

Einige EU-Regierungen wollen noch mehr europäische Integration: Finanziell und politisch. Doch die Erfolgsaussichten für ein solches Projekt sind gering.

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Hat eine Vision: Kommissionspräsident Manuel Barroso.
Hat eine Vision: Kommissionspräsident Manuel Barroso.Foto: dpa

Wer Visionen hat, so das bekannte Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt, sollte zum Arzt gehen. Nun legen sich die Ärzte, die bisher wenig erfolgreich den Patienten Eurozone zu therapieren versucht haben, selbst eine Vision zu. Die EU-Regierungen basteln an einem Zukunftsplan, um den grundlegenden Konstruktionsfehler der Währungsunion zu beheben und sie um eine stärkere politische Union zu ergänzen. Der Fiskalpakt, der erst noch inkrafttreten muss, ist ein erster, aber unzureichender Schritt auf diesem Weg gewesen. Für jene, die den Euro erhalten wollen, ist eine tiefere Integration zu einem Muss geworden. Die Alternative ist der Zerfall der Währungsunion. Die Erfolgsaussichten einer Reform freilich sind gering: Mit Großbritannien dürfte kein europäischer Staat zu machen sein. In der Bevölkerung der EU hat der Wunsch nach mehr Europa ohnehin stark gelitten, in Deutschland finden sich noch die meisten Befürworter. Vor allem aber hat die Krise in den vergangenen Wochen wieder eine dramatische Zuspitzung erfahren: Verlässt Griechenland nach den Wahlen am 17. Juni den Euroraum oder muss Spanien als viertgrößte EU-Volkswirtschaft bald den Krisenfonds anzapfen, dann helfen Zehnjahrespläne wenig. Dann müssen die Ärzte zur Notoperation schreiten.

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