Meinung : Europäische Zentralbank: Zu Lasten des Wachstums

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Warten auf eine Zinssenkung in Europa: Es verstreicht endlos viel Zeit - und nichts geschieht. Warten auf Godot, der bekanntlich gar nicht kam? Hoffentlich nicht. Weltweit neigt die Konjunktur zur Schwäche. Die USA nähern sich einer Rezession, die Japaner stecken schon lange in einer Depression und in Europa deutet vieles auf eine empfindliche Abkühlung der Wirtschaft hin. Während die Geldpolitiker in den USA, Japan und Großbritannien die Leitzinsen senken, legt der Chef der Europäischen Notenbank Wim Duisenberg die Hände in den Schoß. Obwohl EZB-Ratsmitglieder jüngst auf niedrigere Inflationsrisiken hingewiesen haben, hält der Niederländer an seiner "Politik der ruhigen Hand" fest. Diese Demonstration seiner Unabhängigkeit geht zu Lasten des Wirtschaftswachstums. Die Industrieländerorganisation OECD und die führenden deutschen Forschungsinstitute hatten zuletzt ihre Wachstumsprognosen für Europa und Deutschland gesenkt. Gleichzeitig lässt aber der Druck, den der hohe Ölpreis auf die Inflation ausgeübt hat, spürbar nach. Es spricht also nichts dagegen, der Schwäche der Wirtschaft bei nächster Gelegenheit mit niedrigeren Zinsen entgegenzuwirken. Nicht Inflation ist das Problem, sondern zu wenig Wachstum.

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