Meinung : Europas Zentrum ohne Mitte

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An diese Wahlkämpfe, so steht zu befürchten, wird man sich in Mitteleuropa noch lange erinnern. Von Berlin über Prag nach Budapest ist beträchtlicher Flurschaden entstanden. In diesen tiefen Furchen aus Nationalismus und Populismus soll das Gewächs Europa gedeihen? Es besteht die Gefahr, dass demnächst in Tschechien, Deutschland und Ungarn genau jene als Wahlsieger dastehen, die den Schlamassel mit angerichtet haben. Aberwitzig ist es, wenn Tschechiens Parlamentspräsident Vaclav Klaus die EU zum Garanten der Benes-Dekrete machen will. Lebensgefährlich ist es, wenn Ministerpräsident Viktor Orbán in großungarischer Attitüde einen Konflikt mit der benachbarten Slowakei anheizt. Dank Österreichs Ewiggestrigen und ihrem Lautsprecher Jörg Haider sind die Beziehungen zu Tschechien gestört. Deutschland sollte im Verhältnis zu jenem Nachbarn weiter sein. Doch anstatt die fünfjährige, segensreiche Existenz der deutsch-tschechischen Versöhnungserklärung zu würdigen, verstärkt man die Differenzen. Gewiss, Prags Ministerpräsident Zeman hat angefangen - mit seiner unerträglichen Attacke auf die Sudetendeutschen. Aber anstatt das als Ausfall eines abtretenden Politikers abzuhandeln, drechselt Kandidat Stoiber einen zwischenstaatlichen Vertriebenen-Konflikt daraus. Mit Rücksicht auf dieselben Wähler sagt Konkurrent Schröder eine Reise nach Prag ab. Beide hätten es in der Hand gehabt, durch mutiges Auftreten die Friedensstörer auf beiden Seiten zur Vernunft zu rufen. Europa braucht eine Mitte.

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