Meinung : Euroraum ausgebremst Der schwache Dollar schadet aber auch der US-Wirtschaft

Ursula Weidenfeld

Der amerikanische Finanzminister John Snow macht gar keinen Hehl daraus, dass er im Augenblick viel Freude hat, wenn er die Wechselkursrelationen zwischen Dollar und Euro ansieht. Der Euro ist gegenüber dem Dollar auf den höchsten Stand seit vier Jahren gestiegen. Das hilft dem amerikanischen Export und wirkt damit wie ein kostenloses Konjunkturprogramm für die US-Wirtschaft. Für die exportorientierte Wirtschaft Europas und vor allem Deutschlands aber wirkt der Dollarverfall als Bremse. Deutsche Produkte werden im Dollarraum immer schwerer verkäuflich. In ein paar Monaten werden die Schleifspuren auch die Binnenwirtschaft treffen – und die Wachstumsschwäche unter Umständen um mindestens noch ein weiteres Jahr verlängern.

Das allein wäre schlimm, aber nicht wirklich dramatisch – schließlich ist der Kurs zwischen Euro und Dollar jetzt in etwa da, wo auch die Kaufkraftparität liegt. Doch der US-Finanzminister und seine europäischen Kollegen wissen, dass das nur eine Momentaufnahme ist: Euro und Dollar neigen dazu, überzureagieren. Ein weiterer rasanter Verfall der amerikanischen Währung ist nicht ausgeschlossen. Zumal dann nicht, wenn die US-Regierung das Geschehen mit einem milden Lächeln gutheißt.

Das Risiko einer solchen Politik liegt nicht nur in Europa. Es liegt auch und vor allem in den USA. Denn Amerika lebt seit Jahren über seine Verhältnisse. Finanziert wird das Außenhandelsdefizit von Zuflüssen ausländischen Kapitals: Die Hälfte der Staatsanleihen des Landes wurden von Ausländern gezeichnet, ein Drittel der amerikanischen Unternehmensanleihen liegen in den Depots von Ausländern, dazu immerhin noch zehn Prozent des US-Aktienbesitzes. Wer den Dollar jetzt schlecht redet, redet auch diese Vermögenswerte schlecht. Wenn die US-Regierung dazu noch so tut, als sei es in Ordnung, dann könnten die Investoren ganz schnell auf die Idee kommen, dass Amerika nicht mehr der richtige Platz für ihre Geldanlage ist. Ein schneller und entschlossener Ausverkauf beim Dollar aber hätte verheerende Folgen: Die US–Notenbank müsste die Zinsen schnell und deutlich wieder anheben. Das würde der Konjunktur – und den Aktienkursen – mehr schaden, als ihr der derzeitige Wechselkursvorteil nutzt.

Europa würde sich einem solchen Beben kaum entziehen können. Deshalb werden die Notenbanker in Frankfurt kaum umhin kommen, in der kommenden Wochen die Zinsen zu senken. Um den Euro wenigstens ein bisschen unattraktiver zu machen.

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