Eva Herman : Vor Gericht gescheitert

Nach einem schrägen Vergleich bei einer Buchvorstellung vor fünf Jahren machten die Medien aus Eva Herman "Eva Braun". Den Kampf dagegen hat die ehemalige Tagesschau-Moderatorin nun in letzter Instanz verloren.

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Foto: dapd
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Der Beschwerdeführerin war es nicht gelungen, sich unmissverständlich auszudrücken. Mit dieser Aussage endet ein am Dienstag veröffentlichter Beschluss der Bundesverfassungsgerichts, zugleich scheiterte damit der jahrelange Kampf Eva Hermans gegen den Springer-Verlag. Die frühere „Tagesschau“-Moderatorin hatte bei einer Buchvorstellung vor fünf Jahren Adolf Hitler, die Nazis und die 68er mit dem „Bild der Mutter in Deutschland“ verrührt. Eine Zeitung machte daraus einen „Schlenker zum Dritten Reich“, in dem nicht alles schlecht gewesen sei. Später lautete die Schlagzeile: „Eva Herman lobt Hitlers Familienpolitik“.

Widerstand war zwecklos, das öffentliche Urteil gesprochen. Aus Eva Herman war Eva Braun geworden, beglaubigt durch einen Talkshow-Rausschmiss, weil das Wort „Autobahn“ gefallen war und Eva Herman wieder nicht schnell genug die Kurve kriegte. Ihrem Haussender NDR wurde der „Mutterkreuzzug“ seiner einstigen Vorzeigefrau zu viel, dann las sie Nachrichten in einem konservativen Internetforum, zuletzt hörte man von ihrer Privatinsolvenz.

Eine Mediengeschichte vor großer Kulisse, aber mit wenig Hintergrund. Eva Herman dürfte vom Nationalsozialismus so weit entfernt gewesen sein wie die Wehrmacht vom Endsieg. Nur sagte sie Missverständliches zu falschen Zeit. Mühsam war auch der christlich- bewahrende Teil des Landes von seinen Mütterdogmen abgerückt, das Elterngeld sollte Gebärende in Arbeit halten, in der CDU fing man an, den Krippenausbau zu propagieren. Ein frischer Konsens, zu dessen Bestätigung die in freier Rede tapsig formulierende Buchautorin wie gerufen kam. Seht sie an, die Frau von gestern – das geschieht, wenn sie beharrt.

Wie modern Eva Herman wirklich ist, das weiß man nicht, jedenfalls hat sie einige Ehen und eine Karriere mit Kind hinter sich. Phänotypisch passt die 54-Jährige also gut in das Bild der selbstbewussten Frau und in herrschende Rollenvorstellungen; auch ihr Bekenntnis zum Christentum ist in urbanen Milieus wieder anschlussfähig, seit die jungen Familien sonntags gern mal wieder in die Kirche gehen.

Es hätte die Chance gegeben, alles nicht so ernst zu nehmen. So wie es das Gericht tat, das die schnippische Interpretation des Springer-Blatts als zugespitzten Beitrag im sportlichen Streit der Meinungen durchgehen ließ. Aber man wollte Herman ernst nehmen; und ihr Fehler war, dass sie es auch so wollte.

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