Meinung : Ex-Opfer wird man nie

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E s hat schon alles seine Richtigkeit, nach Recht und Gesetz darf Brigitte Mohnhaupt auf Bewährung entlassen werden. Gut, so demonstriert und dokumentiert der Rechtsstaat seine Überlegenheit. Andere Mörder kommen früher als nach 24 Jahren frei, früher als die verurteilte Terroristin. Und dennoch bleibt dieses Gefühl des Unbehagens, mindestens bei manchen, Liberalenchef Guido Westerwelle und CDU-Rechtsexperte Jürgen Gehb haben es formuliert. Mohnhaupt war das Haupt der RAF nach dem Tod von Meinhof, Baader, Raspe. Ob vier oder sieben, einige RAF-Terroristen werden noch gesucht. Bis heute, nach mehr als 24 Jahren in Haft, gibt es keinen endgültigen Hinweis darauf, dass Mohnhaupt ihr Verhalten überdacht hat und allem Gewesenen abschwört. Dass sie Einsicht zeigt, zumal in das Leid der Opfer. Ebenfalls bis heute weiß keine der betroffenen Familien, wer genau die fünf Morde begangen hat; auch dazu ist Mohnhaupt eine Antwort schuldig geblieben. Haben die Familien kein Anrecht auf Wahrheit, auf Einsicht, von Reue nicht zu sprechen? Daher rührt das Unbehagen. Gespeist wird es außerdem dadurch, das Einsicht durchaus eine Kategorie ist, nach der ein Mensch beurteilt wird, werden darf. Die Antwort ist: Schweigen. Brigitte Mohnhaupt kommt nun aus dem Gefängnis. Dem Rechtsstaat wird Genüge getan. Dem Rechtsempfinden der (schweigenden) Mehrheit auch? Das ist wohl der Preis, den die demokratische Gesellschaft für den Nachweis ihrer Souveränität zahlen muss: Ex-Terroristin kann man sein, Ex-Opfer wird man nie. cas

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