Fall Marco : Klagen über Klagen

Im Fall Marco W. muss sich die Justiz in der Türkei derzeit viel Kritik gefallen lassen. Die Bundesregierung erwägt sogar, einer Klage der Marco-Anwälte vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg beizutreten. Dass das Gericht in Antalya den jungen Angeklagten nicht schon längst unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt hat, obwohl es türkische und britische Behörden seit Monaten nicht schaffen, die Aussage der Hauptbelastungszeugin vorzulegen, kann man kritisieren – und Verteidiger und Medien tun das ja auch ausgiebig. Politischer Druck auf das Gericht von höchster Stelle in Berlin könnte sich aber leicht zu Lasten des Jungen auswirken. Selbst Marcos deutsche Anwälte rufen die Politiker auf, sich mit Äußerungen zum Fall des Jugendlichen zurückzuhalten. Auffällig ist auch, dass sich Politiker für Marco einsetzen, bei anderen deutschen Häftlingen aber stumm bleiben. So sitzt der unter fragwürdigen Umständen verurteilte Bundesbürger Mahmut Desde seit Monaten in türkischer Haft, ohne dass sich CSU-Mann Markus Söder darüber aufgeregt hätte. Auch von Initiativen der Regierung beim Menschenrechtsgerichtshof ist nichts bekannt. Denn Desde ist nicht Marco. Hier wird auf dem Rücken eines 17-jährigen Parteipolitik gemacht. Bei aller gerechtfertigten Kritik an dem Verfahren in Antalya: Das haben weder die Türkei noch Marco verdient. güs

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