Fall Marco W. : Das Gift des Populismus

Noch gibt es kein Urteil, aber Deutsche wie Türken können schon jetzt Lehren aus dem Fall Marco W. ziehen.

Thomas Seibert

Noch gibt es kein Urteil, aber Deutsche wie Türken können schon jetzt Lehren aus dem Fall Marco W. ziehen. Die wichtigste ist, dass sie sich künftig vor billigem Populismus hüten sollten. In Deutschland wurde klar, dass sich voreilige Kritik an der angeblich rückständigen Türkei rächen kann. Spätestens seit der Deutsche Richterbund feststellte, dass ein türkischer Jugendlicher in Deutschland in einem ähnlich gelagerten Fall ebenfalls angeklagt würde, ist das Gerede über eine kulturelle Kluft zwischen den Rechtssystemen zum Glück verstummt. Die Türken ihrerseits sollten aufhören, hinter jeder Äußerung aus dem Westen einen Großangriff auf ihre nationale Ehre zu sehen. Denn der Fall Marco W. wird nicht der letzte seiner Art bleiben. Angesichts von fast drei Millionen Türken in Deutschland und jährlich drei Millionen deutschen Urlaubern in der Türkei ist es unvermeidlich, dass Türken und Deutsche ab und zu Ärger mit der Justiz des jeweiligen Gastlandes bekommen. Jedes Mal in Hysterie auszubrechen, nützt weder den Beziehungen zwischen beiden Ländern noch den Angeklagten.

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