• Falsch verstandene Liberalität Der Prügler von Berlin: Warum der Staat früher eingreifen muss

Meinung : Falsch verstandene Liberalität Der Prügler von Berlin: Warum der Staat früher eingreifen muss

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Von Gerhard Mauz

RECHTSWEGE

Niederlagen gibt es nicht. Das lässt der Medienmarkt nicht zu. So wird denn gemeldet, dass es gelungen ist, einen Sexualtäter, dessen die Bewährungshilfe nicht Herr wurde, zu identifizieren und festzunehmen.

Hier wird eine folgenschwere Niederlage verdrängt. Es hat sich herausgestellt, dass alles, was man zusammengetragen hatte an Erkenntnissen und Erfahrungen, nicht genügte, um hinreichende Erkenntnisse zu sammeln und auszuwerten für den vorbeugenden und steuernden Umgang mit solchen Menschen.

Schläger auf dem Schulhof

Wie schwer es dem Rechtsstaat zuweilen fällt, angemessen auf Herausforderungen zu reagieren, zeigt auch der Fall des Sawis J., der an einer Berliner Schule gewalttätig wurde. Wie der Tagesspiegel berichtete, hat der 16 Jahre alte Sawis J. mit neun Jahren zum ersten Mal zugeschlagen. Nun hat er fünf Lehrer auf dem Schulhof angegriffen und erheblich verletzt. Sein Vater stellt sich vor seinen Sohn. Und auch seine Mutter, eine Deutsche, hält zu ihm. Sie meinen, man verfolge den Jungen, weil er Ausländer ist.

Sie nennen die Schule, die Sawis besucht, eine „NaziSchule". Auch die Polizei schikaniere die Familie. Doch bei der Polizei ist der Jugendliche schon lange bekannt. In den letzten Wochen habe sich seine kriminelle Karriere – Drogenhandel und -missbrauch – ohne dass er festgenommen wurde deswegen dramatisch verschärft.

60 Mal ermittelt

Wir sollten uns nicht damit aufhalten, die Probleme eines Einzelfalls auszuweiden. Wir müssen uns der Tatsache stellen, dass es uns noch nicht gelungen ist, einen Weg zu finden, um Menschen wie Sawis beizustehen. Es sind 60 strafrechtliche Vorgänge bekannt, in denen jedoch Anzeige nicht erstattet wurde. Im Übrigen wird – wenn es denn zu einem Verfahren kommt – oft auch auf Bewährung erkannt, was die Polizeigewerkschaft in überzeugender Weise beanstandet.

Gerhard Mauz ist Autor des „Spiegel“. Foto: Dirk Reinartz

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