Meinung : Falsche Kragenweite

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Ja, der Blutdruck sinkt allmählich, wir krallen uns nicht mehr an den Sessellehnen fest, und so darf Bilanz gezogen werden. Da nun aber alle ziehen, und zwar in verschiedene Richtungen, bleibt das Ergebnis des Duells irgendwie konturlos. War es nun wie bei der Eisenbahn mit den brav nacheinander aufgefädelten Fragen des Fahrdienstleiters Limbourg, oder wie im Operationssaal mit Dr.Kloeppel als Anästhesist? Klar ist immerhin, dass der Kanzler, um mit Beckenbauer zu sprechen, ein wenig wie ein Blasengel gewirkt hat, wie ein mildes, nettes Dickerchen mit besten Absichten. Doch wie kam das? Beim deutschen Krawatten-Institut haben sie entdeckt, dass der Kanzler-Kragen („zurückgeschnittene Kragenspitzen“) eng anlag – optisch vorteilhaft für den kurzen Hals. Aber lag er womöglich zu eng an und löste so per Luftmangel den stark staatsmännischen Eindruck aus? Wurde Stoibers Angriffslust umgekehrt dadurch gesteigert, dass ihm sein Berater den ungewohnten, eher weiten Kragen verordnete? Immerhin wäre es ja denkbar, dass der Kandidat, plötzlich frei atmend, vom überschüssigen Sauerstoff zu ungeplanten Attacken getrieben wurde. Das finale Duell in zwei Wochen wird uns Aufschluss geben: Achten Sie auf die Hemden! Hoffen wir, dass wenigstens einem der beiden dabei rechtzeitig der Kragen platzt.

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