Meinung : „Faszinierende Aufgabe“

Markus Ehrenberg

Sein Spitzname bei RTL soll „Stalin“ sein. Das ist eigentlich eine gute Voraussetzung, um den erfolgsverwöhnten Sender, der gerade seine Marktführerschaft an die ARD verloren hat, wieder voranzubringen. Ein harter Hund also für die Spitze von RTL – Marc Conrad, ab November neuer Geschäftsführer bei Deutschlands größtem Privatsender. Eine der faszinierendsten Aufgaben, die die deutsche TV-Industrie zu bieten habe, so Conrad. Aber noch eh’ er sich auf die Jagd begeben kann, wieder die Nummer Eins zu werden, hat sich derjenige gemeldet, bei dem Conrad Anfang der 90er Jahre das Geschäft gelernt hat: Helmut Thoma, Ex-RTL-Chef. Conrad müsse neue Formate entwickeln und Sendungen aus dem Programm schmeißen, sagt Thoma.

Kann er das? Der 43-jährige Conrad, in Luxemburg aufgewachsen, begann seine Karriere 1983 als Nachrichtenredakteur bei RTLplus. Seine Karriere verdankt er auch Übervater Thoma. 1988 sein persönlicher Referent, 1990 Programmplaner, 1994 stellvertretender Geschäftsführer. Conrad entdeckte RTL-Star Linda de Mol. Er war Thomas „Ziehsohn“ und „Kronprinz“.

Dass es auch ohne Thoma geht, stellte Conrad 1998 nach seinem Abgang von RTL unter Beweis. Mit seiner Produktionsfirma „Typhoon“ bastelte er fiktionale Erfolgsformate wie die preisgekrönte RTL-Serie „Abschnitt 40“. Sein einziger Flopp in der Zeit: die Psychiatrieserie „Die Anstalt“. Aber auch das zeigte, wie ambitioniert Marc Conrad ist, dass er in neuen Bahnen denken kann. Im Gegensatz zu Stalin.

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