Faustball, Dressur, Skat : Wo die deutschen Stärken liegen

Der EM-Titel ist futsch und auch sonst werden die Deutschen gerade ziemlich gestutzt. Zum Glück kennt Bernd Matthies ein paar Dinge mehr, in denen wir noch mächtig gut sind.

von
Eine von Deutschlands Stärken. Okay, bei dem Blatt könnte es selbst im Skat schwer werden mit dem Titel.
Eine von Deutschlands Stärken. Okay, bei dem Blatt könnte es selbst im Skat schwer werden mit dem Titel.Foto: dpa

Oh, diese Depression. Gut, wir sind Exportweltmeister, Urlaubsweltmeister, vermutlich sogar Weltmeisterweltmeister. Aber nun hat es im Fußball nicht mal fürs Europa-Finale gereicht, und unsere Kanzlerin, die unerreichte Mächtigstefrauderwelt und Regierweltmeisterin, kehrt gestutzt vom Gipfel zurück, im Elfmeterschießen um den Goldenen Rettungsschirm einfach ausgelöffelt. Zack, lag sie da wie ein Käfer auf dem Rücken, so, wie vor ihr nur der britische Torhüter …

Egal. Das ist jetzt Vergangenheit. Wir werden am Sonntag aus Daffke laut den Spaniern zujubeln und die Pizza zum Spiel ausnahmsweise nur mit tre stagioni bestellen, damit der Italiener sich beim nächsten Mal überlegt, ob er den Ball so vorlaut ins Tor haut – aber dann ist auch gut.

Wir in Deutschland müssen uns nämlich in aller Ruhe überlegen, wo unsere Stärken zu finden sind, perspektivisch. „Faustball, Dressurreiten, Skat“ schlägt der Kabarettist Dieter Nuhr vor. Aber ist das ernst gemeint? Faustball, Faustball … Hier: Deutschland ist 2011 Weltmeister geworden, hat den Titelverteidiger Österreich vernichtend geschlagen, das klingt gut – aber wie stark ist dieser Sport in der Bevölkerung verankert? Die Frauen vom SV Düdenbüttel und TSV Schülp werden die Bundesliga verlassen müssen, lesen wir. Ohne faustballverachtend sein zu wollen: Ist dieser Sport in den Großstädten wirklich ausreichend verankert? 

Um den Skat sieht es besser aus. Die brutale Loriot-Schmach („Kennen Sie Schnipp-Schnapp?“) ist vergessen, Anfang September findet in Polen eine Weltmeisterschaft statt, über deren Favoriten man nicht lange nachdenken muss. Nur hat das Skatspiel leider immer noch den Ruf des Sitzfußballs für dicke, biertrinkende Männer und ist insofern antimodern, fördert Vorurteile gegen unser Land. Das wäre beim Dressurreiten ähnlich. Zum einen kommen uns da ständig die Holländer in die Quere, und das Image, nun ja: Es ist bekanntlich gerade dieser Hauch von Gutsherrenart, der uns internationales Ansehen raubt.

Sehr weit vorn liegt Deutschland zum Beispiel im Angsthaben und Energiewenden, aber es ist natürlich sinnlos, in Sportarten zu brillieren, die es sonst nirgendwo gibt. Aber wie ist es mit Doofsein? „Waschkorbweise“ hat die ARD Protestpost bekommen, weil der Tagesschausprecher und Halbitaliener Ingo Zamperoni in der Halbzeitpause gelächelt hat. Ja, das sollen uns andere Länder erst einmal nachmachen.

5 Kommentare

Neuester Kommentar