Meinung : FDP – für den Rest

Alle reden über alles Mögliche. Warum nicht auch mal über die Liberalen reden?

Stephan-Andreas Casdorff

Man müsste mal radikal sein dürfen. Oder? Also die FDP, die ist auf ihre Weise radikal. Ihre Forderungen werden in dieser Klarheit von niemandem sonst erhoben. Gegen die Otto-Pakete zur Sicherheit auf der einen Seite, gegen verweichlichte marktwirtschaftliche Konzepte auf der anderen. Nur in der Außenpolitik gilt Genscher weiter. Aber das ist ja auch bei Joschka Fischer so. Was will man da schon Grundstürzendes ändern.

Nein, von wegen liberale Vereinigung der CDU, wie manche spotten. Hinter dem, was sich die Liberalen im Kerngeschäft vorstellen, Wirtschaft, Finanzen, bleibt auch die Mittelstandsvereinigung zurück. Und der Wirtschaftsrat der Union mag über den Verlust von Merz klagen, über mangelnde Unterstützung von der FDP kann er es nicht. Zurück zu ’96 ist die Parole, als Guido Westerwelle noch Generalsekretär war.

Das Problem ist nur: Alle reden über alles, über die FDP redet nur sie selbst. Mehr oder weniger jedenfalls. Sicher, aus Düsseldorf kommen Meldungen, aber das vor allem, weil die Partei dort wieder in die Regierung kommt. Da sind Namen Nachrichten, also etwa, dass Westerwelles früherer Jura-Repetitor Ingo Wolf demnächst Innenminister werden soll. Eine Erinnerung für die Eingeweihten: der neue Willi Weyer …

Verdient hätten sie’s, dass man über sie redet. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass die FDP nicht nur in NRW, sondern vom 19. September an auch im Bund regiert. Und da ist es erstens wichtig, was sie will, zweitens, mit wem sie es will. Im zweiten Fall mit Wolfgang Gerhardt und Guido Westerwelle. Ob es wirklich so kommt, dass Westerwelle in die Regierung geht als Innen- oder Justizminister (wie weiland Thomas Dehler), oder ob er den Fraktions- mit dem Parteivorsitz vereinigt, hängt auch davon ab, wie sich nach einem Sieg Edmund Stoiber entscheidet.

Das allerdings ist eine Vorstellung: Stoiber als „Superminister“, nachdem er im vergangenen Wahlkampf gezeigt hat, wie zögerlich er bei strategischen Entscheidungen ist? Und Westerwelle in einem klassischen Ressort? Im Moment ist selbst bei großen Anhängern der FDP Skepsis zu hören, ob diese beiden wirklich diejenigen sind, die mit Angela Merkel die richtige Troika bilden würden. Das böse Wort von den Leichtmatrosen ist nicht vergessen, aber auch Stoiber hat sich als Steuermann des Tankers Deutschland bisher nicht jedem aufgedrängt.

Über die Rolle als Mehrheitsbeschafferin braucht keiner lange zu reden. Die FDP: Für den Rest kann sie Rechnung tragen, wenn der Union ein paar Mandate zur absoluten Mehrheit fehlen sollten; da ist die Union liberal. Die FDP wird wohl noch deutlicher machen müssen, was sie radikal anders sieht.

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