Meinung : Fehlgeschlagen

„Das große Scheitern“ vom 6. Juni

„Scheitern, im 16. Jh. Fahrzeuge und Schiffe, die in Stücke brechen“; Friedrich Kluge, „Etymologisches Wörterbuch“, Verlag de Gruyter 1989: Die heutige (umgangssprachliche) Bedeutung lautet: „etwas nicht schaffen“. Soweit kann man den Begriff Scheitern wertneutral sehen. Anders ist es mit der abgeleiteten Formulierung „er ist eine Gescheiterter“. Hier liegt die Bedeutung näher an „er ist eine Null“, „er ist ein Versager“. Jemand der ein Ziel nicht erreicht hat ist aber keine „Null“ und kein „Versager“! Er hat lediglich ein Ziel nicht erreicht! Insofern meine ich, man sollte mit den Begriffen „gescheitert“, „Gescheiterter“ zurückhaltender, vorsichtiger umgehen. Versetzen wir uns doch einmal in die Lage eines dieser Betroffenen (im Artikel u.a. „gescheiterte Gymnasiasten“) und lesen von uns, wir seien Gescheiterte, dann fühlen wir uns doch eher „in Stücke gebrochen“. Wollen wir das?

Klaus Morgenstern, Kiel

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