Ferdinand Piëch : Am Ende siegt immer er

Ferdinand Piëch vollendet sein Lebenswerk: Volkswagen wird neben Toyota zum führenden Autohersteller der Welt. Piëch nutzt die Schwäche Porsches, um Widerstände in Stuttgart zu brechen. Mit Tricks und manchmal fiesen Methoden kennt er sich aus.

Alfons Frese

Kurz vor dem Ziel greift der Alte tief in die Kiste. Mit Tricks und Finten und manchmal miesen Methoden kennt Ferdinand Piëch sich aus. Das hat er gelernt in Familie und Beruf. Die Clans der Porsches und Piëchs waren sich nie sonderlich gewogen und in der Autoindustrie geht es sowieso ruppig zu. Nun, auf dem Höhepunkt der Branchenkrise, in der die Amerikaner ihre Autoindustrie verstaatlichen und die Deutschen monatelang über Opel debattieren, vollendet der 72-jährige Piëch sein Lebenswerk: Volkswagen, von Piëchs Großvater Ferdinand Porsche in der Provinz am Mittellandkanal gegründet, wird neben Toyota zum führenden Autohersteller der Welt. Respekt.

Vermutlich heiligt der Zweck für den Strategen die Mittel. Jedenfalls nutzt Piëch die Schwäche Porsches und des Porsche-Chefs Wendelin Wiedeking, um Widerstände in Stuttgart-Zuffenhausen zu brechen. Und zwar brachial. Der Porsche-Miteigentümer Piëch redet die eigene Firma schlecht, jagt die Porsche-Aktie in den Keller und verschärft überhaupt die Situation des hoch verschuldeten Sportwagenherstellers, der so dringend Kapital braucht. Piëch verliert dadurch selbst Hunderte von Millionen. Na und? Geld interessiert den Milliardär nicht. Er will gewinnen und den VW- Konzern nach seinen Vorstellungen bilden. Dazu muss er seinen Vetter Wolfgang Porsche zum Aufgeben zwingen. Der hält nämlich an Wiedeking fest und besitzt mit seinem Familienstamm noch ein paar Porsche-Aktien mehr als die Piëchs. Die Porsches verlieren also noch mehr Geld als die Piëchs, wenn Vetter Ferdinand so weitermacht.

Vor ein paar Monaten sah das noch anders aus: Porsche übernimmt VW und Wiedeking ist der Held. Dann hat er sich übernommen, die Banken verärgert und überhaupt das VW-Establishment durch schnöselige Sprüche aufgebracht. Das war nicht klug. Neben dem Aufsichtsratsvorsitzenden Piëch und Vorstandschef Martin Winterkorn gehören Betriebsrat Bernd Osterloh und Piëchs Stellvertreter im Aufsichtsrat, der frühere IG-Metall-Chef Jürgen Peters, dazu. Der Metaller und der Milliardär verstehen sich prächtig. Das hätte Wiedeking wissen müssen, als er großspurig verkündete, in Wolfsburg müssten „heilige Kühe“ geschlachtet werden, und dabei auch den Einfluss der Arbeitnehmer meinte.

Piëch tickt genau andersrum. Gewiss, Leichen pflastern seinen Weg, aber das sind alles Führungskräfte, die der Meister als unfähig befand. Zuletzt und ziemlich spektakulär hatte das Bernd Pischetsrieder getroffen, den Piëch vor Jahren als seinen Nachfolger nach Wolfsburg geholt hatte. Pischetsrieder zauderte zunehmend, und Piëch bekam Zustände. Trotzdem betrieben die VW-Aufsichtsräte Wiedeking und Christian Wulff, Ministerpräsident in Niedersachsen, 2006 die Vertragsverlängerung Pischetsrieders um fünf Jahre. Auch um den Alten zu ärgern. Ein halbes Jahr später ging Pischetsrieder, Piëch hatte ihn aus dem Amt gemobbt. Und Wiedeking und Wulff deren Frechheit nicht vergessen.

Heute ist Wulff einer der eifrigsten Gehilfen Piëchs gegen Porsche. Und die Herren wissen, dass die Zeit für sie spricht. Selbst wenn Wiedeking noch einen Investor auftreibt und sich frisches Kapital organisieren kann: Porsche braucht VW und nicht umgekehrt, weil die Kleinen ohne die Ressourcen des Großen keine Autos entwickeln können. Wiedeking ist bald weg. Jürgen Schrempp schon lange und Pischetsrieder sowieso. Der Pate aber bleibt.

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