Meinung : Feuer unterm Sitz

Von Harald Maass

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Wie geht es weiter im Atompoker mit Pjöngjang? Solange Nordkorea seine gestern verkündeten Atombomben nicht öffentlich testet, bleibt die nukleare Bedrohung zweifelhaft. Die Chancen der Diplomatie sind also noch nicht vergeben. Die wohl wichtigste Stimme hat dabei China, Nordkoreas letzter Verbündeter. Peking kündigte bereits an, dass die SechsNationen-Gespräche fortgeführt werden sollen. Diesem Wunsch wird sich Nordkoreas Führer Kim Jong Il nicht entziehen können.

China ist das einzige Land, von dem Nordkorea politisch und wirtschaftlich abhängig ist. Und bisher zeigte sich Peking im Umgang mit dem „kleinen Bruder“, wie die Staatsmedien Nordkorea einst bezeichneten, geduldig. Pjöngjangs überraschende Selbsternennung zur Atommacht dürfte aber nun zu einer Kursänderung führen. China wird den Druck auf Pjöngjang deutlich erhöhen und wenn nötig dem Regime keine Energie und Nahrungsmittel mehr liefern. Pekings Interessen sind klar: Eine atomare Aufrüstung auf der Halbinsel soll mit allen Mitteln verhindert werden. China würde nicht nur seine militärische Vormachtstellung in der Region verlieren. Eine Eskalation des Koreaproblems könnte auch den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden.

Pjöngjang wird an den Verhandlungstisch zurückkehren. Entgegen der derzeitigen Kritik ist der multilaterale Ansatz durchaus vielversprechend. Als ehemalige Schutzmacht hat Russland wie China bis heute großen Einfluss auf das Kim-Regime; Japan könnte Pjöngjang eine Normalisierung der Beziehungen anbieten; Südkorea ist als kultureller Vermittler wichtig. Die Schlüsselrolle fällt jedoch Washington zu. Kim Jong Il ist überzeugt, dass nur ein Abkommen mit der Großmacht USA das Überleben seines Regimes sicherstellen kann. Bisher hat die Bush-Regierung die geopolitische Gefahr nicht wahrgenommen. Statt ernsthaft über Sicherheitsgarantien zu verhandeln, wollte Bush das Problem aussitzen. Das geht nicht mehr.

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