Meinung : Finanziers der SS

Von Thomas Lackmann

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Ganze 2400 Seiten zur NS-Geschichte der Dresdner Bank. „Was bringt das?“, fragen Journalisten bei der Pressekonferenz. Die Historiker antworten: Wir erfahren hier genauer, wie der Nationalsozialismus funktionierte. „Wenn man sehr optimistisch“ sei, hofft der Herausgeber, könnten Banker in den Chef-Etagen aus dem Werk lernen, „dass Geschäftsergebnisse von den Methoden nicht zu trennen sind“. Warum so spät das Ganze? fragen die Journalisten? Besser als gar nicht, sagen die Historiker. Sorgen Sie bei den Medien dafür, dass das öffentliche Interesse nicht nachlässt.

Die Aufarbeitungs-Konjunktur der 90er Jahre bringe zwar demnächst noch eine Studie zur Commerzbank hervor. Doch was ist mit den Geschäften der Deutschen Bank im besetzten Europa, als die Banker im Goldgräberrausch waren? Was ist mit den staatlichen Firmen, vor allem den Sparkassen, die intensiv mit dem NS-Regime verbunden waren und bislang noch nichts offen gelegt haben? Doch wer würde10 000 Seiten über die Sparkassen schmökern? Wer liest 2400 Seiten zur Dresdner Bank? „Wir werden das Thema intern weiterbearbeiten“, sagt Vorstandsmitglied Wulf Meier. Die eigene Belegschaft könne alles im Internet lesen, das Konvolut günstig erwerben. Also auch der so genannte kleine Mann ist Adressat und potenzieller Leser.

Dass man als Banker nicht habe mitmachen müssen, ist nach Ansicht der Historiker ein klares Ergebnis ihrer Forschung. Es gab Handlungsspielräume. Es gab einen stellvertretenden Personalchef bei der Dresdner Bank, der den jüdischen Kollegen, die entlassen wurden, bessere Abfindungen zubilligte, bessere Zeugnisse ausstellte, als seine Chefs ihm vorgaben. Er hat seine Stelle behalten. Vorstandsmitglied Meier ist vom Beispiel des mutigen Kollegen beeindruckt. Er sieht die heutige Unternehmenskultur seines Hauses positiv: In der Bank würden der richtige „Umgang mit anderen“, Toleranz und Offenheit gepflegt. „Wer etwas Unbequemes sagt, wird gehört.“ Man erwarte aufgrund der Studie keine weiteren Entschädigungsansprüche, diese seien mit der Beteiligung an der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft abgegolten. Man übernehme moralische Verantwortung. Nicht nur in Goldgräberzeiten muss sich zeigen, wie weit das trägt.

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